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23.08.2004
Deutsche Zustände nicht totschweigen

Rostock (AP) Am zwölften Jahrestag der ausländerfeindlichen Krawalle vom August 1992 in Rostock am kommenden Mittwoch will die Antifa-Gruppe der Hansestadt mit Kundgebungen ein Zeichen «gegen Totschweigen und Beschönigen deutscher Zustände» setzen. Es solle daran erinnert werden, dass rassistische Gewalt noch immer allgegenwärtig sei und offenbar die städtische Zivilgesellschaft mehr am Image Rostocks, als an der Verhinderung von Rassismus interessiert sei, erklärte Antifa-Sprecherin Julia Gersten.

Die Bilder vom brennenden «Sonnenblumenhaus» in Rostock-Lichtenhagen waren als Symbol für Ausländerfeindlichkeit und Gewalt um die Welt gegangen. Über 100 Bewohner, überwiegend Vietnamesen, konnten sich seinerzeit nur in letzter Minute übers Dach vor den Flammen in ein Nachbargebäude in Sicherheit bringen. Erst kurz vor dem zehnten Jahrestag war mit Bewährungsstrafen von ein bis anderthalb Jahren für drei der damals von biederen Bürgern beklatschten Täter vor dem Landgericht Schwerin der juristische Schlusspunkt unter das Geschehen gesetzt worden.

Die Richter begründeten die milden Urteile mit der «aus bedauerlichen Gründen zu Stande gekommenen langen Frist zwischen Tathergang und Prozess». So habe dem Erziehungsgedanken nicht mehr ausreichend Rechnung getragen werden können. Das Gros der Rostocker Krawall-Prozesse war bis Ende 1994 juristisch abgearbeitet gewesen. Dabei hatte es über 400 staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren gegeben. Daraus resultierten 34 Prozesse, bei denen 35 Verurteilungen und drei Strafbefehle von Rostocker Gerichten ergingen. Das Höchsturteil belief sich auf drei Jahre Jugendhaft.

AP/yahoo

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