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02.10.2002
SPD-Fraktion will Internatsunterbringung neben der Beruflichen Schule untersuchen - Tiergartenstraße bleibt für Flüchtlingsheim in Neustrelitz im Gespräch

Neustrelitz. Weiter keine Einigkeit über ein Asylbewerberheim im ehemaligen Internat der Landesfinanzschule und direkt neben der Beruflichen Schule: Es sind zwar noch keine Verträge unterschrieben, über vertragliche Einzelheiten verhandelt der Landkreis indessen mit dem Land, hieß es am Montagabend während einer Gesprächsrunde in der Beruflichen Schule. Der Landkreis favorisiert das Gebäude vor allem aus finanziellen Gründen, muss sich aber vermutlich auch noch einmal ernsthaft mit der immer wieder ins Gespräch gebrachten Alternative Internat Tiergartenstraße (neben der Förderschule) beschäftigen. Dies insbesondere mit Blick auf die gegenwärtige Unterbringungssituation für die Berufsschüler mit Internatsplatz. Diese wohnen teils in der Schulstraße und in besagtem Internat Tiergartenstraße. Die SPD will jetzt über den Kreistag eine Beschlussvorlage einbringen, wonach die Verwaltung zu prüfen hat, inwieweit eine Internatsunterbringung direkt neben der Beruflichen Schule wichtiger ist und ob folgerichtig die Asylbewerber auch in der Tiergartenstraße untergebracht werden können. Das kündigte Rainer Günther, Neustrelitzer Bürgermeister und Mitglied der SPD-Kreistagsfraktion, am Montag an. Bei der Zusammenkunft wurden zudem erneut Befürchtungen laut, dass die landesweit einmalige Nachbarschaft eines Asylbewerberheims und einer Beruflichen Schule unberechenbares Konfliktpotenzial bergen könne. Es gebe unter den aktuell etwa 2300 Berufsschülern auch Anhänger rechtsradikalen Gedankenguts, unterstrich Schulleiterin Christa Krause, die sich enttäuscht darüber zeigte, dass der Kreis mit der Schule bislang nicht ins Gespräch kam.

Für begrenzte Zeit

Problematisch sei die Situation, weil die Azubis nur für begrenzte Zeit in die Schule kämen, sich nicht an den Standort gewöhnen würden und die entsprechenden Einflussmöglichkeiten der Lehrer gering seien. Zudem gäbe es an der Schule nur einen einzigen Schulsozialarbeiter. Berichtet wurde auch über Erfahrungen, wonach zu Beginn dieses Schuljahres schon die Anwesenheit einer andersfarbigen Schülerin ausgereicht habe, um zumindest verbale Attacken bei den Berufsschülern auszulösen. Wie schwierig es sei, mit rechts denkenden Schülern umzugehen, davon berichtete auch Christoph Poland, Stadt- und Kreistagsabgeordneter für die CDU und Vorsitzender des Bürgervereins "Daniel Sanders". An der Sanders-Schule seien früher bis zu 90 Prozent der Schüler rechtsradikal gewesen. "Wir haben dagegen gekämpft wie die Löwen", sagte Poland und erinnerte daran, dass in diesem Fall die Schüler anders als Berufsschüler einen Bezug zur Schule und zu den Lehrern entwickelt hätten. Zudem seien sie regelmäßig und über einen langen Zeitraum in der Schule gewesen.

Begonnen hatte die Beratung, der auch Wolf-Christoph Trzeba vom Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten und Irimie Pencov als Kreis-Ausländerbeauftragter beiwohnten, mit Bürger-Unmut. Etliche Altstrelitzer, die einladungslos kamen, durften nicht mitdiskutieren.

Am Tisch saßen unter anderem Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Lehrer der Beruflichen Schule, Stadtvertreter und Kreistagsabgeordnete, Polizei-Beamte und Mitglieder des Bürgervereins "Daniel Sanders" sowie Friedhelm Zerbel seitens der Anwohner-Initiative gegen den Standort.

Nordkurier-Neustrelitz

02.10.2002
Bei Gesprächsrunde zu Asylbewerberheim Initiative der SPD-Kreistagsfraktion angekündigt

Neustrelitz (mn). In die Diskussion um das geplante Asylbewerberheim im Internat der ehemaligen Landesfinanzschule könnte jetzt doch noch der Kreistag einbezogen werden. Der Neustrelitzer Bürgermeister und SPD-Kreistagsabgeordnete Rainer Günther regte am Montagabend eine Beschlussvorlage an, mit der die Kreisverwaltung den Auftrag für eine Standortprüfung der kreiseigenen Internate erhalten soll. Seitens des Landkreises gibt es bekanntlich seit 1996 Bemühungen, das Internat der ehemaligen Landesfinanzschule für die eigene Internatsunterbringung zu nutzen.
Dies scheiterte bislang vor allem an den unterschiedlichen finanziellen Vorstellungen von Land als Gebäudeeigentümer und dem Landkreis selbst.
Hintergrund für die angekündigte Fraktionsinitiative ist die immer noch im Gespräch befindliche Standortalternative für ein Asylbewerberheim im Internat an der Tiergartenstraße (neben der Förderschule). Diese war bislang von der Verwaltung angesichts der dort zur Herrichtung für ein Asylbewerberheim notwendigen Investitionen von fast 800 000 Euro als vom Kreis angesichts seiner Etatlage nicht leistbar angesehen worden. Zu dem nach wie vor umstrittenen und landesweit angesichts der Nähe zu einer Beruflichen Schule einmaligen Standort hatte es am Montag in der Beruflichen Schule selbst eine Gesprächsrunde gegeben. Dabei wurde auch auf das aus Sicht der Schule drohende Konfliktpotenzial verwiesen, falls das Asylbewerberheim neben der Beruflichen Schule eingerichtet wird.

Nordkurier-Neustrelitz

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