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02.10.2002
Gesicht zeigen fällt schwer - Interkulturelle Woche: Weg für Rechte der Flüchtlinge gestern auch in Schwerin gestartet
Schwerin "Rassismus erkennen - Farbe bekennen" ist das Motto der gerade begonnenen interkulturellen Woche. Wie schwer es im Alltag ist, Gesicht zu zeigen, wurde gestern am "Weg für die Rechte der Flüchtlinge und Migranten in Schwerin" sichtbar. "Nein, meinen Namen möchte ich nicht sagen und fotografiert werden will ich auch nicht", sagte die Lehrerin vom Fachgymnasium
Bautechnik, als Moderator Harry Meyer fragte, warum sie denn zur interkulturellen Woche gekommen sei. Und auch die meisten der etwa 60 jungen Leute vor dem Stadthaus taten sich schwer, Gesicht zu zeigen. Immerhin aber waren sie gekommen, um am erstmals in Schwerin veranstalteten "Weg für die Rechte der Flüchtlinge und Migranten" teilzunehmen. Die Initiative zu der Aktion war vom ökumenischen Rat der Kirchen ausgegangen. Organisatorin Angelika Gloria: "Wir wollen den Schwerinern einen Einblick geben in die Schwierigkeiten, die Flüchtlinge und Aussiedler haben, wenn sie in ein fremdes Land kommen." Entsprechend wurde die Veranstaltung in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Aussiedler in Görries begonnen, setzte sich über den Weg zu den Behörden im Stadthaus - Sozialamt, Ausländerbehörde - fort, zog hin zum Flüchtlingsrat MV, zur Paulskirche als symbolischer Ort für kirchliche Angebote für Flüchtlinge und Migranten, dann weiter zum Arbeitsamt, zur RAA, zur Aussiedlerarbeit von Diakonie und Caritas und fand seinen vorläufigen Endpunkt im Haus der Begegnung. Auch Friderike Jentsch, Lehrerin am Fridericianum, war mit einer Gruppe Gymnasiasten zu dieser Aktion der interkulturellen Woche gekommen. "Zum Unterrichtsstoff der 12. Klasse gehört Ethik. Da wird über Werte, Normen, Toleranz gesprochen. Die Schüler fanden es gut, die Theorie mit praktischen Aspekten zu untersetzen", sagte sie. Eine Sensibilisierung dafür, dass Integration nicht so einfach ist, wie sie klingt, werde mit der interkulturellen Woche durchaus erreicht. Obgleich die jungen Schweriner zunächst zurückhaltend reagierten, entwickelte sich am Stadthaus eine interessante Diskussion über Integration, Ausländerfeindlichkeit und Zivilcourage. Ausländerbeauftragte Annette Köppinger bekam sogar zaghaften Beifall, als sie anmerkte, dass die Kernaussage von Artikel 1 des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar" nicht auf Deutsche beschränkt sei. Die interkulturelle Woche wird heute mit einem internationalem Kochen in der Kita Kepplerstraße und einem "Global-Friends"-Jugendgottesdienst fortgesetzt.
Schweriner Volkszeitung-Schwerin
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