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16.07.2004
"Protest-Aktion hat viel Porzellan zerschlagen" - Bürger nach Ausländer-Demo verunsichert - Neue Wege gesucht


Von unserem Redaktionsmitglied Jens-Uwe Berndt

Jürgenstorf. Wie sehr die von der Polizei gewaltsam aufgelöste Ausländerdemonstration der vergangenen Woche (der Nordkurier berichtete) die Jürgenstorfer beunruhigt, wurde auf der konstituierenden Sitzung der neuen Gemeindevertretung am Mittwochabend deutlich. "Der Tag war schrecklich", erinnerte sich Silvia Stütz, die neben sieben weiteren Jürgenstorfern der Sitzung als Gast beiwohnte.

"Ich war entsetzt, wie sich dort einige aufgeführt haben." Jörg Ruchholz war von einer Gruppe Ausländer an jenem Tag, als die Asylbewerber die B 194 sperrten, bedroht worden. "Wäre ich dort ein zweites Mal vorbeigefahren, hätte es auch zu Handgreiflichkeiten kommen können." Von jungen Leuten aus dem Dorf wisse er, dass die Tendenz zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Ausländern wachse. "Ich betrachte diese Menschen als Gäste, allerdings müssen sie sich auch dementsprechend verhalten."

Kritik an Polizei

Der ehemalige Bürgermeister von Jürgenstorf, Wolf Schrader, der Mittwochabend das neue Gemeindeoberhaupt Karl-Heinz Wolff vereidigt hatte, bezeichnete die Protestaktion als "unerfreulich". "Es ist viel Porzellan zerschlagen worden", sagte er. Schon im Vorfeld der Straßenblockade habe der Kreis sich mit wortführenden Personen aus dem Heim zusammengesetzt. "Diese waren aber sehr stur und beharrten auf ihrer Forderung, das Geld vom Kreis nicht zweimal, sondern einmal pro Monat ausgezahlt zu bekommen", sagte Schrader. "Das hat mich betroffen gemacht. Denn Menschen, die angeblich unter Lebensgefahr ihr Land verlassen müssen, sollten dankbar für das sein, was sie hier geboten bekommen." Kritik übte Schrader auch am Polizei-Einsatz. Denn jetzt sei es offenbar kaum noch möglich, die so genannten Rädelsführer der Demonstration auszumachen. "Warum hatte die Polizei keine Kameras dabei, um den harten Kern abzulichten", fragte der Ex-Bürgermeister.

Lediglich der Togolese Kalenga sei bereits in ein Heim verlegt worden, das sich in einem anderen Kreis befände. In Jürgenstorf habe er Hausverbot. Nach den Steinewerfern werde "weiter gefahndet". Silvia Stütz betonte, dass es wichtig sei, der Bevölkerung klarzumachen, dass sich im Heim derzeit vor allem jene Familien befänden, die in Not seien: "Diese Menschen sind ruhig und verhalten sich ordentlich." Allerdings wisse sie nicht, was sich am kommenden Mittwoch ereignen werde, wenn der Kreis erneut das Geld auszahle und die Störenfriede zurückkämen.

Abgeordnete verpflichtet

Jörg Ruchholz meinte nach der Sitzung gegenüber unserer Zeitung: "Meine Frau hat im Asylbewerberheim in Malchin am Strauchwerder gearbeitet. Ich stand diesen Leuten immer offen gegenüber. Jetzt haben sie definitiv einen Freund verloren." Karl-Heinz Wolff will in den nächsten Tagen dem Heim einen "Antrittsbesuch" abstatten und den Vorfall sowie das zukünftige Zusammenleben besprechen.

Vor der Diskussion waren die neuen Gemeindevertreter verpflichtet worden: Norbert Köhler (CDU), René Streuling, Hans-Jörg Rieger und Anke Tiefmann (alle Wählergemeinschaft/WG). Dirk Schröder von der WG und Gudrun Roscher (PDS) fehlten entschuldigt. Zwei Plätze in der neuen Gemeindevertretung bleiben unbesetzt, da die CDU drei Mandate gewann, aber nur mit zwei Kandidaten angetreten war, von denen obendrein einer der neue Bürgermeister, Karl-Heinz Wolff, ist. Als erster stellvertretender Bürgermeister wurde in Abwesenheit Dirk Schröder gewählt, als zweite Anke Tiefmann.

Nordkurier-Teterow

16.07.2004
Nicht nur für Ausländer da - Landkreis: Behörde hat deutsche Gesetzgebung durchzusetzen


Jürgenstorf/Demmin (jub). Nach vereinzelter Kritik hinsichtlich der Rolle des Landkreises Demmin bei den Ausländerprotesten in der vergangenen Woche in Jürgenstorf, weist das Landratsamt nachdrücklich darauf hin, dass Frank Rämisch als Bereichsleiter der Ausländerbehörde des Landkreises nicht die Aufgabe von so genannten Ausländerbeauftragten ausfüllen könne. "Aufgabe dieser Behörde ist es, aufenthaltsrechtliche Maßnahmen entsprechend unserer Gesetzlichkeit durchzusetzen", teilte Pressesprecher Jörg Rau gestern mit. "Die Behörde kann daher nicht nur Interessenvertreter von Ausländern sein." In Jürgenstorf wächst die Unsicherheit unter der Bevölkerung. Dies wurde auf der konstituierenden Gemeindevertretersitzung deutlich.

Nordkurier-Teterow

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