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09.07.2004
Rätsel um Toten vom Fischerfest ungelöst - Freunde suchen Zeugen des Unglücksfalls
Greifswald. Ein tragischer Unglücksfall überschattete das Fischerfest im letzten Jahr. Am 20. Juli um 3.51 Uhr war ein 21-jähriger, auf dem Boden liegender Greifswalder auf der Ladebower Chaussee von einem Auto überrollt worden. Im Mai dieses Jahres hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt.
Dirk und Marco, beide Freunde des Opfers, wollen sich damit nicht abfinden. Auch die Mutter des Toten, den seine Freunde als einen friedfertigen und hilfsbereiten jungen Mann schildern, der häufig im Pariser und IKUWO mit anpackte, möchte Gewissheit. Sie suchen nach neuen Zeugen. Die könnten beispielsweise in einer Gruppe zu finden sein, die ein THW-Fahrer auf der Ladebower Chaussee sah.
Laut Polizeisprecher Axel Falkenberg sind jedoch alle Möglichkeiten für Ermittlungen ausgeschöpft. "Es gab und gibt viele Gerüchte, aber keine verwertbaren Fakten", sagt er. "Wir sind allen Spuren nachgegangen und haben sogar vor einem Vierteljahr noch jemand vernommen." Alle Spuren - dazu gehört auch ein denkbarer rechtsradikaler Hintergrund. Marco und Dirk erzählen, dass Zeugen beobachtet hätten, wie der 21-Jährige von mehreren Rechtsradikalen in einem Festzelt geschlagen wurde und eine Verletzung erlitt. Die Polizei spricht von einer nachgewiesenen tätlichen Auseinandersetzung, bei der das Opfer eine Platzwunde erlitt, die aber auf keinen Fall Todesursache war.
Warum sich der junge Mann ein bis eineinhalb Stunden später auf der Ladebower Chaussee und nicht auf dem schnellsten Weg, auf der Straße Wieck/Innenstadt, nach Hause begab, ist ungeklärt. Gleich nach dem Unglücksfall (?) suchte die Polizei nach einem größeren Fahrzeug, möglicherweise einem Van, bat in der OZ Zeugen, sich in dieser Sache zu melden.
Das größere Fahrzeug sei vor einem Stralsunder Audi, der unmittelbar danach den 21-Jährigen überrollte, nach links ausgeschert, erzählen Dirk und Marco unter Berufung auf die Aussage des 27 Jahre alten Stralsunders, der ansonsten schwieg. Dessen Beifahrer gab an, dass er nichts gesehen oder bemerkt hat. Wurde der Mann also zweimal überfahren? Die Polizei schließt das heute aus, für sie hat nur der Stralsunder mit seinem Audi den Mann überrollt.
Für den Anwalt des Opfers, Ulf Dembski, bleiben Fragen offen. Er verweist darauf, dass der Gerichtsmediziner ein zweites Auto nicht ausschloss. Außerdem seien Teile eines weiteren Pkw am Unfallort gefunden worden. Dass der Van(?) den jungen Mann streifte und umwarf, würde erklären, dass er am Boden lag. Die 1,2 Promille Blutalkohol dürften dafür nicht verantwortlich sein.
Schon der Notarzt habe am Unfallort vermutet, dass sich die Sache genau so abspielte. Ulf Dembski erinnert daran, dass die Polizei, weil sie Streife fuhr, gleich vor Ort war. Aus seiner Sicht sind die Ordnungskräfte der Van-Spur nicht intensiv genug nachgegangen. Der Anwalt bestätigt aber, dass keine Anhaltspunkte für eine rechtsextremistische Straftat gefunden wurden.
Ostseezeitung-Greifswald
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