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06.07.2004
Wolgaster Rechte bei Aufmarsch - Polizei zählt 30 Neonazis aus Wolgast bei Ueckermünder Demonstration

Ostvorpommern/Ueckermünde (aw). 30 Neonazis aus Wolgast hat die Polizei beim Aufmarsch rechter Demonstranten am Wochenende in Ueckermünde gezählt. Ob sich weitere Rechtsradikale aus dem Landkreis Ostvorpommern an der Demonstration beteiligten, sei bislang nicht bekannt, berichtete gestern Helmut Walther, zuständiger Pressesprecher der Polizei in diesem Fall. Laut Walther versammelten sich 250 Demonstranten in Ueckermünde, die gegen das geplante Asylbewerberheim in der Haffstadt protestierten. Mindestens 98 Prozent der Demonstranten seien als "rechtsradikal" einzustufen - auch wenn das aus der Demonstrationsanmeldung nicht unbedingt hervorginge. Denn die habe eine Initiative namens "schöner und sicherer wohnen in Ueckermünde" beantragt. Dahinter stecke jedoch die Ueckermünder Kameradschaft "National-Germanische-Bruderschaft" (NGB), so Walther.

Da die Ueckermünder NGB keine 250 Leute zähle, müsse die Polizei davon ausgehen, dass sich neben den Wolgaster Rechten weitere Neonazis an dem Aufmarsch beteiligten. Woher diese kommen, sei bislang nicht ermittelt. Eines könne inzwischen jedoch definitiv ausgeschlossen werden: Brandenburger Neonazis waren nicht dabei. Wegen der Nähe zum Nachbarbundesland hatte die Polizei mit der Verstärkung durch Rechte aus dieser Region gerechnet.

Der Aufmarsch in Ueckermünde hatte nicht zuletzt auch deshalb für Schlagzeilen gesorgt, weil die Neonazis unbehelligt von Gegendemonstranten aufmarschieren konnten. Das bestätigte gestern auch der zuständige Pressesprecher: Auf einem Privatgrundstück wurde ein Informationsstand aufgebaut, um den die Polizei zirka 60 Personen gezählt habe. Aber "eine regelrechte Gegendemo gab es nicht".

Nordkurier-Anklam

06.07.2004
Fotoapparat gegen den Kopf geschlagen - Ueckermünder Demonstrant verletzt Frau

Pasewalk/Ueckermünde (kb). Bei dem Aufmarsch von Neonnazis und Rechtsextremen in Ueckermünde (der Nordkurier berichtete) gab es am Samstag einen gewalttätigen Übergriff aus den Reihen der Demonstrant(inn)en. Das berichtete Kay Bolick von LOBBI, einer landesweiten Opferberatung.

Ein Demonstrationsteilnehmer schlug seinen Worten nach einer am Straßenrand stehenden Frau ihren Fotoapparat gegen den Kopf. Die 38-Jährige erlitt dabei eine Platzwunde an der Stirn, die im Ueckermünder Krankenhaus geklebt werden musste. Der Fotoapparat wurde bei dem Angriff beschädigt. Die Betroffene ist Mitarbeiterin des Beratungsteams für demokratische Kultur und dokumentierte den Aufmarsch im Rahmen einer Rechtsextremismus-Studie. Ueckermünde ist nach den Worten Bolicks ein Schwerpunkt der rechten Szene in Mecklenburg-Vorpommern. In den vergangenen Jahren habe es mehrere gewalttätige Übergriffe gegeben. An der rechten Demonstration hätten auch Ueckermünder Bürger teilgenommen.

Nur wenige dagegen

"Nur wenige Menschen protestierten in der 11000 Einwohner zählenden Stadt gegen den Aufmarsch. Er richtete sich gegen den geplanten Umzug von Flüchtlingen in die Haffstadt. Seit Monaten verbreiten in Vorpommern Neonazi-Kameradschaften und NPD-Kreisverbände mit Sprühparolen, Flugblättern, Plakaten, Aufklebern und Unterschriftensammlungen ausländerfeindliche Propaganda", hat Kay Bolick beobachtet. Unter dem Deckmantel von "Bürgerinitiativen" versuchten die rechten Gruppierungen die Einrichtung von Asylunterkünften zu verhindern.

Nordkurier-Ueckermünde

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