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05.07.2004
Fest setzt Zeichen gegen Intoleranz - Treff des Bürgerforums in Goethestraße erfolgreich - Rechte Demonstration ziehen durch Haffstadt

NK-Bild

Die Teilnehmer des "Festes für Mitmenschlichkeit" in der Goethestraße halten dagegen. Bereitschaftspolizisten schirmen den Platz ab. Gegen ein Asylbewerberheim in Ueckermünde und gegen Ausländer in Deutschland haben Anhänger rechter Organisationen aus Vorpommern am Sonnabend in Ueckermünde demonstriert.

Ueckermünde (wei). Geschützt von einem Großaufgebot der Polizei, sind am Sonnabend Nachmittag mehr als 200 Neonazis und Rechtsextreme durch Ueckermünde gezogen und haben gegen ein Asylbewerberheim in der Stadt protestiert. Auf dem Ackerhof hielten die größtenteils aus Nord- und Ostvorpommern stammenden Anhänger rechter Kameradschaften eine Kundgebung ab. Zur gleichen Zeit haben sich zeitweise bis zu 100 Ueckermünder und Gäste an der Ecke Goethestraße/Kastanienallee versammelt, um über Toleranz, das Zusammenleben verschiedener Nationen, über Zivilcourage und politische Mitwirkung junger Leute zu reden. Eingeladen hatte das überparteiliche Forum "Bürger für Integration, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie" (BIRD). "Für die Gründung dieses Forums bin ich bereits seit längerem mit Menschen verschiedener politischer Auffassungen im Gespräch. Durch den Demonstrationstermin der Rechten sind wir ein bisschen in Zugzwang gekommen", sagte Hans Lücke, Pfarrer in Ueckermünde.

Schnelle Hilfe

Kurzfristig hatte sich die Initiative BIRD entschieden, ein "Fest der Mitmenschlichkeit" zu veranstalten. Ein Zeichen der demokratischen Kräfte sollte gesetzt, keine Gewalt provoziert werden, so Hans Lücke. Da sie keine Genehmigung für einen öffentlichen Platz erhielten, suchten die Organisatoren schnelle und unkomplizierte Hilfe, die sie bei der Firma Me-Le fanden. Die stellte das Eckgrundstück in der Kastanienallee zur Verfügung. "Gestern habe ich hier noch gemäht, die Zeltdächer waren dann schnell aufgebaut", sagte Alexander Erinski. Der SPD-Mann aus der Ueckermünder Stadtvertretung hatte außerdem einen Backofen aufgebaut, in dem Brot gebacken wurde.

In einer dichten Reihe hatte sich die Polizei vor dem Festgelände aufgestellt. Doch die Organisatoren um Hans Lücke sorgten schon selbst für Zurückhaltung bei allen, die auf das Gelände gekommen waren. Als die rechten Demonstranten mit ihren Parolen auch durch die Goethestraße und Kastanienallee zogen, wurden lediglich Protestrufe und die Musik lauter. "Dieses Fest kann nur der Anfang gewesen sein. Das überparteiliche Forum wird sich kontinuierlich für ein gemeinschaftliches Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit verschiedenen politischen Ansichten einsetzen", sagte Hans Lücke. Damit solle vielen Menschen Mut gemacht werden, selbst Verantwortung für ein friedliches Miteinander zu übernehmen.

Unmut geäußert

An anderen Stellen in der Stadt versuchten Ueckermünder, Reden und Parolen der rechten Demonstranten mit lauter, lustiger Musik zu stören.An den Fenstern und auf den Straßen hatten sich Neugierige versammelt, einige schlossen sich dem Aufmarsch an. Andere äußerten in Gesprächen ihren Unmut über den neuen Standort für das Asylbewerberheim, wollten aber keine Rechtsextremen in der Stadt haben. "Was das wohl alles kostet!", sagte ein älterer Herr und schüttelte angesichts der Polizeipräsenz verständnislos den Kopf.

Etwa vier Stunden dauerte die Aktion der rechten Demonstranten und der aufwändige Polizeieinsatz. Nach Angaben der Polizeidirektion Anklam waren 276 Einsatzkräfte in Ueckermünde präsent. Unterstützt wurde die Polizeidirektion Anklam dabei von anderen Polizeidirektionen, der Bereitschaftspolizei des Landes, der Hubschrauberstaffel und dem Bundesgrenzschutz. Zwei Personen wurden demnach in Gewahrsam genommen, elf Platzverweise wurden ausgesprochen.

Nordkurier-Ueckermünde

05.07.2004
Kommentar: Geduldet

Zivilcourage ist dünn gesät. Beim "Fest der Mitmenschlichkeit", das ein Zeichen gegen rechte Intoleranz und Ausländerfeindlichkeit setzte, waren Ueckermünder anzutreffen, die auch ansonsten keine Angst haben, offen zu ihrer Meinung zu stehen. Gut, dass es sie gibt! Besser: Es wären noch mehr. Vor allem gewählte Stadtvertreter. Nicht erst am Sonnabend, schon vorher hat ihnen die Courage gefehlt, offen und rechtzeitig über alle Probleme im Zusammenhang mit dem neuen Standort für das Asylbewerberheim zu reden. Nun finden rechte Rattenfänger einen Tummelplatz für ihre Demagogie. Ist ja nichts passiert am Samstag? Doch! Ein lauthalser, verbaler Angriff auf demokratische Verhältnisse ist still geduldet worden. Hans Lücke und seine Mitstreiter haben viel Arbeit.

Simone Weirauch

Nordkurier-Ueckermünde

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