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02.07.2004
"Wollen keinem auf der Tasche liegen" - Bashkim Kollani und seine Familie leben im Aussiedlerheim in Ueckermünde-Bellin


Von unserer Mitarbeiterin Dana Seiler

Ueckermünde. Nur raus: In Sicherheit bringen. Mehr zählte damals nicht, als es galt das blanke Leben zu retten, erinnert sich Bashkim Kollani. Dann ging alles ganz schnell und der Kosovare flüchtete mit Frau und Kind nach Deutschland. Das war 1992. Damals war Krieg im Kosovo. Die Eltern und Geschwister von Bashkim Kollani lebten bereits seit einigen Jahren im niedersächsischen Helmstedt. Bashkim, seine Frau Sebhate und Sohn Wandrin wurden herzlich aufgenommen. Die Familie beantragte kein Asyl. "Wir wollten nicht dem deutschen Staat auf der Tasche liegen, sondern uns aus eigener Kraft etwas aufbauen", erzählt Bashkim ganz euphorisch.

Von 1993 bis 1998 klappte das auch sehr gut. Bashkim Kollani, der in seiner Heimatstadt Prizren Jura studiert hatte, arbeitete in der Gastronomie. 1998 war es damit vorbei. Duldung und Arbeitserlaubnis liefen ab. Und Bashkim Kollani lernte die Mühlen der Bürokratie kennen. Eine Duldung bekam der Kosovare jeweils für vier Wochen. Mit diesem Dokument konnte er dann eine Arbeitserlaubnis beantragen. Deren Bearbeitung ließ allerdings sechs Wochen auf sich warten. Da war die Duldung schon wieder abgelaufen. Aber es kam noch schlimmer.

2000 erfolgte die Abschiebung aus Niedersachsen. Die Familie kam nach Bellin bei Ueckermünde. Mittlerweile war Tochter Vanessa auf die Welt gekommen. Sie ist heute acht Jahre alt und geht in die erste Klasse.

Ihre Eltern sind zum Nichtstun verdammt. Während die Mutter Sebhate sich in ihr Schicksal gefügt zu haben scheint, kämpft Vater Bashkim weiter dafür, selbst für seine Familie sorgen zu können.

Doch steht der Familie ein noch viel größerer Kampf bevor. Die Abschiebung zurück in den Kosovo droht. Eine Horrorvorstellung für die Familie. "Dort gibt es für uns keine Sicherheit", fürchtet sich der Familienvater. Hinzu kommt, dass Sohn und Tochter nur schlecht in ihrer eigenen Muttersprache schreiben können. Außerdem würden die Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen. Die Angst vor der kaputten Heimat ist groß. Da schreckt die Familie auch kein Zimmer, dass sie sich teilen müssen. Ganz zu schweigen von Gemeinschaftsküche und -bad im Belliner Asylbewerberheim.

Aber Angst und Ungewissheit zermürben. Die Kräfte sind fast aufgezehrt. "Wir wollen unsere Zukunft planen wie andere auch, aber bislang hatten wir nicht die Möglichkeit dazu", klingt Bashkim Kollani schon ziemlich resigniert. Familie Kollani zahlt übrigens von dem wenigen Geld, das sie haben, regelmäßig auf Spendenkonten ein. "Wenn jeder in Deutschland nur einen Euro schenken würde, wäre das eine riesige Summe", rechnet der Kosovare, der nur seine Familie ernähren möchte.

Nordkurier-Ueckermünde

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