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12.06.2004
Politiker für rechte Hass-Mails missbraucht - SPD-Landtagsfraktion betroffen - Uni kritisiert Ermittler
Schwerin. Bei der Flut ausländerfeindlicher Werbe-Mails werden auch Adressen von Landtagsabgeordneten als angebliche Absender missbraucht. Staatsschutz und Computerexperten des Landeskriminalamtes (LKA) ermitteln.
Von Thomas Volgmann und Frank Ruhkieck
Ausländerfeindliche Spam-Mails gingen gestern auch in der SPD-Landtagsfraktion ein. "Vermeintlicher Absender war unter anderen der Ludwigsluster Abgeordnete Detlef Müller", sagte ein Mitarbeiter der Pressestelle. Der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion, Reinhard Dankert, wies darauf hin, dass die Adressen gefälscht sind oder aus Dateien von Rechnern stammen, die von PC-Würmern befallen sind. Dankert sprach von "krimineller Energie".
Seit der Nacht zum Mittwoch verstopfen zigtausende unerwünschte Werbe-Mails mit rechtsradikalem Inhalt zahllose E-Mail-Fächer (wir berichteten). Nach einer Information des ermittelnden Landeskriminalamtes ist der PC-Wurm "Sober.G" Auslöser der Spam-Welle. "Auch der Computer eines Studenten der Universität Rostock wurde von diesem Wurm befallen", teilte das LKA mit. Aus dem Uni-Netz streute der Wurm massenhaft Hass-Mails. Würmer sind wie Computerviren kleine Programme, die via Internet verbreitet werden und sich auf befallenen Rechnern verselbstständigen.
Die Urheber sind noch unbekannt. "Da Rechner aus dem gesamten Bundesgebiet die Mails verschicken, werden die Ermittlungen eventuell vom Bundeskriminalamt übernommen und zentral geführt", sagtes LKA-Direktor Ingmar Weite-meier unserer Zeitung.
Die Universität selbst will das Netzwerk weiterhin uneingeschränkt zugänglich betreiben. Beschränkungen durch Abwehr-und Filtersystem wie Firewalls ließen sich nicht mit dem Anspruch der Freiheit von Forschung und Lehre vereinbaren, sagte der Rostocker Kanzler Joachim Wittern gestern unserer Zeitung. Außerdem könne die Universität unmöglich sämtliche ein- und ausgehenden Mails inhaltlich kontrollieren. "Und das wollen wir auch nicht", betonte Wittern, "denn damit würden wir uns ja einem Polizeistaat nähern".
Zugleich wies der Uni-Verwaltungschef Forderungen nach Überprüfung sämtlicher Universitätsrechner zurück. "Wie sollen wir 1500 PC kontrollieren."
Ansonsten herrscht eine gewisse Ratlosigkeit. "Wir sind dieser Situation hilflos ausgeliefert", bekannte Wittern. Der missbrauchte Rechner sei stillgelegt, mehr könne man im Moment nicht tun.
Die Ermittlungen sah er äußerst skeptisch: "Mein Zutrauen in die strafrechtliche Verfolgung ist nicht sehr groß", sagte Wittern. "Wir haben andere edv-technische Vorfälle strafrechtlich verfolgt und mussten feststellen, dass wir überhaupt keine Unterstützung auf der Ermittlerseite haben." Auf eine Strafanzeige verzichtet die Uni mangels Erfolgsaussichten vorerst. "Wenn aber eine Chance besteht, den Täter zu ermitteln, dann sind wir sofort dabei", sagte der Kanzler. "Die Rufschädigung der Universität wiegt schwer."
Schweriner Volkszeitung
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