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19.09.2002
Rat und Tat für Aussiedler in der neuen Heimatstadt - Betreuerinnen werben in Stralsund um mehr Toleranz und Kommunikation
Grünhufe (OZ) Seit das vom Malteser-Dienst geführte Aufnahmeheim für Aussiedler in Franzenshöhe vor zwei Jahren geschlossen wurde, ist die Arbeit von Betreuerin Birgit Mielke im ambulanten Stützpunkt in der Wiesenstraße in Grünhufe vielschichtiger geworden. "Die Aussiedler sind mehr auf sich allein gestellt. Besonders in der Eingewöhnungsphase und bei den vielen Behördengängenbrauchen sie unsere Hilfe", sagt die Leiterin der Betreuungsstelle. So nimmt die Begleitung ihrer Schützlinge zu Ämtern, bei der Wohnungssuche und der Einschulung der Kinder viel Zeit in Anspruch. Unterstützung gibt dabei Olga Gordienko, die eine vom Arbeitsamt geförderte Stelle bekleidet und sich als Aussiedlerin - sie kam 1996 nach Stralsund - gut in die Situation einfühlen kann.
Als problematisch sehen die beiden Frauen nach wie vor die unzureichenden Sprachkenntnisse der deutschstämmigen Menschen an, die von der Wolga, aus Kasachstan und anderen ehemaligen GUS-Staaten kommen und in Deutschland vor allem "eine bessere Zukunft für die Kinder" suchen. Manchmal schütten sie in der Betreuungsstelle ihr Herz aus, reden über ihre Erfahrungen und die Enttäuschung: "Zu Hause in Kasachstan wurden wir als Deutsche verfolgt - und in Stralsund als Russen beschimpft."
Die andere Mentalität und emotionalere Lebensart der Aussiedler, die oft als Großfamilien oder in Familienverbänden nach Deutschland kommen, führt gerade wegen des in letzter Zeit verstärkten Zuzugs in Grünhufe mitunter zu Problemen. "Es treten Reibereien mit den Nachbarn auf - mal wegen der ungewohnten Musik, mal wegen der Hausordnung", erzählt Birgit Mielke und appelliert in diesem Zusammenhang an die Bewohner: "Schimpfen sie nicht über die neuen Nachbarn, sondern reden sie mit ihnen!"
Oft führe einfach Nichtwissen zu Differenzen, die durch ein klärendes Gespräch schnell aus der Welt zu schaffen sind. Begrüßenswert wären auch Familienpatenschaften, die beim Einleben und Deutschlernen helfen. Wer Zeit und Lust für solch eine Patenschaft hat, kann sich gern in der Wiesenstraße 9 (Tel.: 48 26 22) melden.
Die Aussiedlerzahlen von über 200 in den ersten Jahren haben sich inzwischen bei rund 100 eingepegelt. "Auch wenn ihnen Stralsund gefällt, verlassen fast alle die Stadt nach einer Übergangszeit", so Birgit Mielke. "Sie wollen arbeiten - und diese Chance besteht leider meist nur weiter westwärts."
Ostseezeitung-Stralsund
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