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18.09.2002
Unerklärter Krieg um die Wahlkampfplakate - Walter Schuldt klagt Zerstörung an / Genehmigung fehlt
Gadebusch Walter Schuldt ist nicht nur ein erfahrener und in Gadebusch bekannter Polizeichef, er ist derzeit auch Wahlkämpfer für die Schill-Partei. Doch ausgerechnet in Gadebusch ist er auf Wahlplakaten nur selten zu finden, weil diese meist zerstört werden. Die Polizei kennt den Täter. Doch der ist alles andere als einsichtig.
Den Gang zu seinen Kollegen, die auch seine Unterstellten sind, hätte sich Polizeidirektor Walter Schuldt gerne erspart. Doch nachdem vor allem im Stadtgebiet Gadebusch immer mehr seiner privat finanzierten Wahlplakate verschwanden, schritt er zur Anzeige. Der Täter, 20 Jahre alt und der linken Gadebuscher Sezne zugehörig, war durch Zeugenaussagen schnell gefasst und sogar geständig. Er habe die Plakate zerstört, weil er die Schill-Partei für rechtsradikal halte. Mehr als 42 Schilder, so bestätigte Wolfgang Weidemann vom Kriminalkommissariat, habe der Täter heruntergerissen und mutwillig zerstört. Damit habe er sich, so die Polizei, der mehrfachen Sachbeschädigung strafbar gemacht. Das kann in einem Verfahren empfindliche Geldstrafen oder mehr nach sich ziehen, ein Haftgrund ist es nicht. Und so bleibt die Gefahr für den privaten Wahlkämpfer Schuldt bestehen. Denn der 20-Jährige Täter hat trotz der Ermahnung seitens der Polizei angekündigt weiterhin Plakate der Schill-Partei zerstören zu wollen.
Für Walter Schuldt, der als Leiter der früheren Polizeiinspektion Gadebusch jahrelang in der Stadt gearbeitet hat, eine bittere Nachricht. Er müsse die Wahlwerbung komplett aus eigener Tasche bezahlen und könne nicht, wie die großen Parteien, mit Unterstützung rechnen. Alles in allem koste ihn ein einziges Plakat zehn Euro. Mittlerweile, so die Schätzung des erfahrenen Polizisten, habe er 90 Plakate ersetzen müssen.
Dabei habe er ausschließlich auf die Papierplakate gesetzt, um sich bekannt zu machen. Schließlich wolle er den Direkteinzug in den Landtag schaffen. Dabei müsste er sich gegen Heike Polzin von der SPD, Hans-Heinrich Uhlmann von der CDU, Andreas Bluhm von der PDS und Peter Kielbassa (Künstlername Peter Bond) durchsetzen, d. h. schlicht mehr Stimmen sammeln.
Besonders bitter stimmt Schuldt, dass sein Plakatzerstörer, der zum Verein Kultur- und Toleranz gerechnet wird, für die Polizei auch vor dem Wahlkampf kein Unbekannter war. Nach Auskunft der Kriminalpolizei gilt der Mann als überzeugter Linker. Aus der Erinnerung Schuldts war der Plaktzerstörer auch an direkten Angriffen (Steinwürfe) gegen die Polizei und an der Barrikadenaktion nahe des Bahnhofs beteiligt.
Er, so Schuldt, habe es noch nie verstehen können, dass die Stadt Gadebusch dem "Kut" mit Steuermitteln unter die Arme greife, wo doch zumindest Teile des Vereins der Polizei als extrem links und durchaus gewaltbereit bekannt sind. Er könne nicht im entferntesten erkennen, wie der Verein seinem angemaßten Namen auch nur einigermaßen gerecht werden wolle. Von Kultur oder gar Tolerenz gegenüber anderen Positionen sei jedenfalls nichts zu erkennen.
Schuldt hat, um seinen Wahlkampf interessanter zu gestalten, Statements unter sein Konterfei drucken lassen. Allerdings hat sich der Polizist nicht ganz an die Regeln gehalten. Nach Auskunft des Ordnungsamtes hatte die Schill-Partei bis gestern keine Genehmigung, Plakate in Gadebusch aufzuhängen. Alle anderen Parteien dürfen auf öffentlichen Plätzen bis zu zehn Plakate aufhängen. Bis auf die PDS, das ergaben Zählungen der Stadt, hat sich jedoch keiner an die Begrenzung gehalten. Die Parteien können in Zusammenarbeit mit der Schweriner Werbeunion zusätzlich z. B. an Lichtmasten für ihre Position werben.
Schweriner Volkszeitung-Gadebusch
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