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05.04.2004
Sorge holt Politprominenz nach Neubrandenburg - Ausschreitungen bei Aufmarsch der Rechtsradikalen befürchtet
Von unserem Redaktionsmitglied Thomas Beigang
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Gegendemonstranten versuchten den Aufmarsch der Rechtsradikalen zu verhindern. |
Neubrandenburg. Das kommt an guten Tagen nicht vor, dass sich so viele Spitzenpolitiker der Landesparteien im fern von Schwerin gelegenen Neubrandenburg tummeln. An schlechten Tagen kann das passieren. Der Sonnabend war ein solcher. Rechtsextreme Gruppen hatten sich die Viertorestadt erneut als Aufmarschgebiet ausgewählt - zum vierten Mal in noch nicht einmal drei Jahren.
Gegendemonstranten hatten Widerstand angekündigt und die Polizei - 600 Ordnungshüter und noch einmal 250 Beamte vom Bundesgrenzschutz "besetzten" die Stadt - musste mit gewalttätigen Ausschreitungen rechnen. Grund genug, für Landespolitiker wie die Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD) aus Neubrandenburg, den PDS-Landesvorsitzenden Peter Ritter oder den Chef der SPD-Fraktion im Landtag, Volker Schlotmann, sich unter die Demonstranten zu mischen. Am frühen Morgen statteten die noch dem Einsatzleiter der Polizei, Manfred Dachner, einen Besuch ab. Sie hätten ihm seine Unterstützung zugesagt, teilte der Chef der Neubrandenburger Polizeidirektion hinterher mit.
Teures Pfandgeld
Wer Bretschneider, Ritter, Schlotmann und Co. am Wochenende sprechen wollte, fand sie mitten unter den protestierenden Gegnern der rechtsextremen Demonstration. Präventiv tätig dabei die Landtagspräsidentin. Brettschneider warb bei den zumeist jungen Leuten um deren leere Flaschen, wohl wissend, dass "Glasgeschosse" in der Plastetüte der einstigen Lehrerin als potenzielle "Wurfmunition" ausfallen. Besonders Hartnäckige wollten auch an diesem Tag nicht auf ihr Flaschenpfand verzichten. Das schoss Bretschneider vor. Einer rückte seine vier leeren Flaschen nur gegen einen ganzen Euro raus. Den hat er dann auch bekommen.
SPD-Fraktionschef Schlotmann wurde Augenzeuge eines Unfalls und kümmerte sich um das Opfer. Eine blutjunge Gegendemonstration geriet auf die Motorhaube eines anscheinend übernervösen Autofahrers. Sicherheitshalber wurde die junge Frau zum Rettungsfahrzeug geleitet.
Ob das Engagement der Landespolitiker mit dazu beitrug, dass die Veranstaltung weitgehend gewaltfrei blieb? Möglich. Aber sie sind nicht allein gewesen. Viele besonnene Männer und Frauen aus der Viertorestadt, deren Protest sich auch gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen richtete, trugen ihr Scherflein dazu bei. Und nicht zuletzt natürlich die Polizei, deren Einsatztaktik auf das Auseinanderhalten der etwa 350 Rechtsradikalen und 700 Gegendemonstranten gerichtet war. Zähneknirschend mussten die Anmelder der Kundgebung daher auch eine Änderung ihres geplanten Weges in Kauf nehmen. Einsatzleiter Dachner hatte schon im Vorfeld der Veranstaltung Deeskalation als das Motto des Tages ausgegeben. "Größere Störungen", so das Fazit der Polizei, "und schwere Personenschäden konnten so verhindert werden". Während der Demonstration und bei der Abschlusskundgebung seien Reden gehalten, Parolen gerufen und Musik gespielt worden, hieß es weiter. Nun werde geprüft, ob mit den Inhalten gegen Gesetze verstoßen wurde.
Nordkurier
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