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01.04.2004
Friedliche Opposition für Togo - Asylbewerber arbeitet auch im Exil politisch weiter - Behörden erschweren mitunter Engagement
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Locoh Yaovi kämpft für Demokratie in seiner Heimat Togo. Dafür will er aufklären. |
Rückkehr in die Heimat bedeutet für den in Stralsund lebenden Locoh Yaovi Verhaftung und Folter. Deshalb engagiert er sich von Europa aus für Demokratie in seinem Land.
Stralsund Locoh Yaovi gibt nicht auf. Der 34-Jährige lebt seit 1999 am Sund, ist Asylbewerber. Noch ist er in Deutschland nicht als politisch Verfolgter anerkannt. So ein Verfahren kann dauern. Doch dieser Zustand, der eigentlich Ungewissheit bedeutet, stört den Togolesen weniger. Auch wenn er mit einigen persönlichen Einschränkungen verbunden ist. Vielmehr sorgt er sich um die Situation in seiner Heimat.
"Die Regierenden in Lomé halten sich mit dem Militär an der Macht", erklärt der gelernte Kfz-Schlosser. Die Partei RPT lasse seit Jahrzehnten keine demokratische Opposition zu und habe bei den letzten Wahlen im Juni 2003 die Ergebnisse der Stimmauszählung auf den Kopf gestellt. Denn da sei eigentlich seine Partei, die UFC (Union Forces de Changement/Vereinigung der Kräfte der Erneuerung) klarer Sieger gewesen.
Damit wollen sich Locoh und viele andere Exil-Togolesen in Europa nicht abfinden. In Mecklenburg-Vorpommern gehört er zum Kopf einer Organisation, die sich politisch engagiert. Ihr Ziel: In der EU aufklären über die Zustände in Togo, damit die Regierungen politischen Druck auf die Herrschenden in Lomé ausüben.
Doch seiner politischen Arbeit in Deutschland sind Grenzen gesetzt. Als Asylbewerber darf er Stralsund nicht ohne behördliche Genehmigung verlassen. Auch wenn er zu Veranstaltungen seiner Gesinnungsgenossen fährt, braucht er ein Papier vom Amt. "Manchmal bekomme ich es, manchmal nicht", sagt er. Mitunter gehe er auch das Risiko ein, illegal zu solchen Treffen zu fahren. Erwischt worden sei er bereits mehrmals. In letzter Zeit habe er rund 400 Euro Strafe dafür bezahlt. Doch das nimmt der engagierte Togolese offenbar in Kauf.
Auch die Gefahr, den Hass des Präsidenten Eyadémas auf sich und seine Gefährten zu vergrößern, scheut der Mann nicht. Per E-Mail korrespondiert er mit einigen wenigen unabhängigen Medien in seinem Land. In der Zeitung "L'Evenement" erschien im September 2002 sogar ein Beitrag von ihm. In dem kritisierte er scharf das Vorgehen Eyadémas gegen unliebsame Personen. Wäre Locoh bei Erscheinen seines Artikels in Togo gewesen, wäre er verhaftet worden. Ob die Redaktion der Zeitung Repressalien ausgesetzt war, konnte er nicht mit Bestimmtheit sagen.
Sein Text endete übrigens mit dem Satz: "Viele unserer Brüder und Schwestern haben zu lange außerhalb ihres Landes leben müssen. Wir müssen handeln!"
Unter Handeln versteht Locoh friedliche Opposition. Von einem bewaffneten Kampf halte er nichts. Er fühle sich als Demokrat. Das gelte auch für die anderen Mitglieder seiner Partei. Diejenigen unter ihnen, die als Emigranten in Europa leben, sehnen sich nach ihrer Heimat. Jetzt zurückzukehren, würde aber Verfolgung, Verhaftung, Folter und vielleicht auch den Tod bedeuten.
Locoh Yaovi musste 1999 sein Land verlassen, weil das Militär - er arbeitete damals in der Kfz-Werkstatt einer Kaserne - ihn aufgeforderte hatte, an einer Demonstration für die Regierungspartei teilzunehmen. Er weigerte sich. Die Soldaten machten Jagd auf ihn. Seine Familie entschied, dass er ins Ausland geht.
JENS-PETER WOLDT
Ostseezeitung-Stralsund
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