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19.03.2004
Betreiber für zentrale Asylanlaufstelle bankrott - Vorwurf: Land zu blauäugig bei der Auftragsvergabe
Schwerin. Unruhe in der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAST) des Landes in Horst bei Boizenburg. Der Betreiber der Einrichtung, die im Monat etwa 300 ankommende Asylbewerber aufnimmt und auf die Unterkünfte im Land verteilt, hat Insolvenz beantragt.
Von Thomas Volgmann
"Wir sichern Qualität. Wir sind Profis", hatte Wilfried Lacert von der Olympic Dienstleistungen GmbH noch vor zwei Jahren getönt, als seine niedersächsische Firma den Betrieb der ZAST übernahm. Jetzt hat die Firma beim Amtsgericht Hannover Insolvenz beantragt, wie eine Mitarbeiterin des Insolvenzverwalters Knut Thomas bestätigte. Die Gründe für die Zahlungsunfähigkeit würden derzeit noch geprüft. 30 Mitarbeiter blicken in eine ungewisse Zukunft.
Die Nachricht von der Insolvenz habe das Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten wie der Blitz aus heiterem Himmel getroffen, war gestern aus dem Schweriner Innenministerium zu hören. Der Betreibervertrag war erst im September 2003 verlängert worden.
Doch Olympic war wegen eines Dumpingangebots und seiner Personalpolitik von Anfang an umstritten. Vor zwei Jahren konnten die Hannoveraner bei einer Ausschreibung alle Mitbewerber aus dem Rennen werfen, weil sie beispielsweise fast um die Hälfte billiger waren als der vorherige langjährige Betreiber Malteser Werke.
Dabei hatte das Innenministerium bereits schlechte Erfahrungen mit Billiganbietern in der ZAST Horst gemacht. 1998 hatte eine andere Firma ebenfalls mit Dumpingpreisen eine Ausschreibung gewonnen und war anschließend wirtschaftlich in die Knie gegangen, weil sie mit ihrem selbst angebotenen Budget nicht hinkam.
Das Landesamt wehrt sich gegen die Vorwürfe, die Auftragsvergabe zu blauäugig durchgeführt zu haben. "Immerhin hat die Firma Olympic zwei Jahre lang Verpflichtungen aus dem Betreibervertrag erfüllt", sagt der Leiter des Amtes, Wolf-Christoph Trzeba.
Leidtragende sind die Angestellten. Als Olympic die Bewirtschaftung der ZAST übernahm, schickte die Geschäftsleitung 20 der 30 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit. Die zehn Angestellten, die blieben und die Neueinstellungen bekamen bis zu 500 Euro brutto weniger. Die Empörung war groß. Das Land unterstütze "Lohndumping, treibt Bürger in die Arbeitslosigkeit und gefährdet die Qualität der Betreuung", kritisierten ZAST-Mitarbeiter.
Bis zum 1. April muss das Land nun eine Übergangslösung für die Betreuung der Flüchtlinge gefunden haben. Anschließend wird europaweit nach einem geeigneten Nachfolger gesucht.
Schweriner Volkszeitung
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