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17.09.2002
"Bloß raus aus den Containern" - Asylbewerber begrüßen Entscheidung der Stadtverwaltung zum Umzug
Neubrandenburg. Laute Trommelklänge störten gestern die Mittagsruhe und -pause der Neubrandenburger. Genau darauf hatte es die "Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und Migranten" abgesehen. Mit Sprechchören, Flugblättern, riesigen Transparenten, Tänzen und Gesängen zogen gut 100 Menschen vom Bahnhof über die Stargarder Straße zum Marktplatz und von dort den Boulevard entlang bis vors Rathaus. Vor allem die menschenunwürdigen Flüchtlingsunterkünfte und die so genannte Residenzpflicht empörten die Demonstranten. Auf einer kurzen Kundgebung vor dem Rathaus forderten sie die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung auf, "nicht feige die Fenster verschlossen zu halten." "Sie haben diese schlimmen Zustände in den Heimen zu verantworten", rief eine Sprecherin in Richtung Rathaus.
Dass diese Kritik durchaus Berechtigung hat, ist offenbar auch in der Stadtverwaltung bekannt. Schließlich sollen die bisherigen Containerunterkünfte in der Ihlenfelder Straße und in der Südstraße nicht länger fortbestehen, das Asylbewerberheim in einem ehemaligen Internat der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft (Neuwoges) untergebracht werden (der Nordkurier berichtete).
"Wir begrüßen es, dass die Leute endlich aus diesen Containern rauskommen", sagt Gerlinde Brauer-Lübs von der Ausländerbegegnungsstätte des Soziokulturellen Bildungszentrums in Neubrandenburg. Die winzigen Zimmer mit ihren dünnen Wänden, die notdürftigen Gemeinschaftsküchen und -bäder, die Stadtrandlage zermürbe die Menschen.
Ständig Konflikte
"Da leben Familien mit drei und mehr kleinen Kindern auf engstem Raum zusammen mit jungen Männern.Hinzu kommen die unterschiedlichen nationalen Lebensgewohnheiten. Da gibt es logischerweise ständig Interessenskonflikte", sagt sie.
Samir Jamil pflichtet ihr bei. Der Iraker lebt im Asylbewerberheim in der Südstraße. Wie ausgestoßen komme man sich dort vor, weil es keine Einkaufsmöglichkeit gebe, der Stadtbus bis dorthin gar nicht fahre, die Kinder einen sehr weiten Weg bis zur Schule hätten. Jeder Weg in die Stadt, wie beispielsweise zum Deutschunterricht ins Soziokulturelle Zentrum sei eine kleine Weltreise. "Die Entscheidung der Stadt für den Markscheider Weg ist gut", sagt er. Er habe sich das Haus schon angesehen.
Die Ängste der Anwohner könnten seiner Meinung nach dadurch abgebaut werden, dass man im Vorfeld miteinander ins Gespräch kommt. "Aufklärungsarbeit" nennt es Gerlinde Brauer-Lübs. "Wir würden unsere Räume für solch eine Begegnung auf alle Fälle zu Verfügung stellen", betont sie.
Nordkurier-Neubrandenburg
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17.09.2002
Kommentar/Ganz nebenbei: Kritik oder nur Beschimpfung?
Chance verpasst. Das bleibt der Karawane für die Rechte von Flüchlingen und Migranten nachzutragen, die gestern in der Viertorestadt auf existentielle Probleme von Ausländern in Deutschland aufmerksam machte. Beispiel Residenzpflicht. Ein Asylbewerber darf Landkreis oder Kommune, denen er zugeteilt wurde, nicht ohne schriftliche Genehmigung verlassen. "Und so sitzt er denn in einem großen Gefängnis", schmetterte eine besonders engagierte, "so genannte Deutsche" auf dem Marktplatz ihren durchweg garstigen Landsleuten entgegen: "Wie hier in dieser pissigen Stadt." Bravo, ein grandioser Erfolg. Hatte sich bis dahin vielleicht der eine oder andere für das interessiert, was Frauen und Männer aus unterschiedlichen Ländern zu diesem Thema zu berichten hatten, war es nun schlagartig vorbei mit dem vielleicht gerade aufkeimenden Verständnis.
Nordkurier-Neubrandenburg
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