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14.09.2002
Rechte Gedanken fassen immer mehr Fuß - "Kampf um die Köpfe" hat in Ostvorpommern begonnen

Ostvorpommern (OZ) Springerstiefel und Bomberjacken sieht man nur noch selten auf Ostvorpommerns Straßen. Doch Entwarnung kann in Sachen Rechtsradikalismus in der Region keinesfalls gegeben werden. Im Gegenteil: Rechte und nationale Einstellungen seien bei Jugendlichen wie bei Erwachsenen inzwischen teilweise hoffähig geworden, so jüngst die vernichtende Einschätzung von ostvorpommerschen Kommunalpolitikern und dem Bündnis "Bunt statt Braun".

In den Flächenkreisen Ostvorpommern und Uecker-Randow haben laut Bündnissprecher Günther Hoffmann die rechten Ideen bei mehr als 50 Prozent der Jugendlichen eine mehr als latente Ebene erreicht. "Auch bei uns wird in vielen Familien in diese Richtung diskutiert", bestätigt Jürgen Stanschuss (PDS) aus Lentschow bei Lassan, und der Anklamer Uwe Schulz, SPD-Kreistagsmitglied bestätigt: "Dieses Ein-bißchen-Deutsch-Sein hat sich verfestigt".

Ein offensichtlich erster Erfolg der neuen Strategie rechtspopulistischer Drahtzieher. Denen ging es nach Beobachtungen von Insidern bis vor etwa zwei Jahren um den Kampf auf der Straße, was in den Obdachlosenmorden von Ahlbeck und Greifswald gipfelte. Danach habe der "Kampf um die Köpfe" eingesetzt. Mit dem Ziel, größere Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. Ein Weg dazu: Verzicht auf martialisches Aussehen, hin zum leger gekleideten jungen Mann. "Das macht es uns schwer, die Gesinnung überhaupt noch zu erkennen", so Kreistagsmitglied Bernd Schubert (CDU).

Zudem werden die empfänglichen jungen Leute in Schulungen rhethorisch und inhaltlich fit gemacht für Diskussionen mit der Bevölkerung. "Die reden dem Volk dann nach dem Maul", so Hoffmann. Wie in dem seit kurzem auf der Insel Usedom regelmäßig hinter Scheibenwischern auftauchenden "Insel-Boten". Mit vor Ort strittigen Themen wird darin versucht, dem "steuerzahlenden Volksgenossen" die eigene braune Ideologie einzuträufeln. Geschrieben und gedruckt in Bansin (!) unter der im Impressum zu findenden Leitung eines Enrico Hamisch.

"Höchste Zeit gegenzusteuern", so Günther Hoffmann vom Bündnis "Bunt statt Braun". Vor allem an die Zehn- bis 14-Jährigen zwischen Karlshagen und Kamminke und von Ducherow bis Mesekenhagen müsse man nun 'ran, mit ihnen gezielt zum Thema arbeiten. Wobei Hoffmann hervorhebt, dass vor allem die Seebäder das Problem seit einiger Zeit engagiert mit fachlich sehr kompetenten Leuten angehen. Auf dem platten Land dagegen, selbst wenn es Jugendklubs gäbe, mangele es häufig an der entsprechenden Qualifikation. Eine Chance bietet die vom Bundesfamilienministerium geförderte "AG Netzwerke gegen Rechtsradikalismus". Ostvorpommern bildet für sie seit kurzem einen Schwerpunkt. Wer präventiv in seiner Gemeinde, Schule oder im Jugendklub etwas tun will, sollte sich in Anklam melden unter Tel.: 0 39 71 / 24 26 77.

Ostseezeitung-Wolgast

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