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27.02.2004
"Brauchen uns nicht zu schämen" - Ausländerbeauftragter: Asylbewerber sind Bürger von Ueckermünde und Pasewalk
Pasewalk/Ueckermünde. Seit zwei Jahren fungiert der Ueckermünder Manfred Quägber als Ausländerbeauftragter des Kreises. Zuvor war er zehn Jahre lang Leiter des Asylbewerberheimes im Norden des Landkreises. Unser Redaktionsmitglied Frank Wilhelm sprach mit dem 63-Jährigen über den Überfall auf das griechische Lokal in Pasewalk, das Verhältnis zwischen Deutschen und Ausländern sowie das Asylbewerberheim in Ueckermünde.
Was haben Sie empfunden, als Sie von der Gewalttat in Pasewalk vom Wochenende gehört haben?
Ich war betroffen und überrascht von der Nachricht. Schließlich wurden Bürger überfallen, die hier schon lange leben und ihren Lebensmittelpunkt im Kreis gefunden haben. Ich verurteile diese Gewalttat aufs schärfste.
Wenn man aber sieht, dass in Ueckermünde schon seit langem Flugblätter in Umlauf gebracht werden, mit denen gegen das Asylbewerberheim protestiert wird, muss man sich doch eigentlich über die Gewalt nicht wundern. Seit kurzem werden auch Unterschriften gegen das Heim in der Stadt gesammelt.
Jeder sollte sich überlegen, was er da eigentlich unterschreibt. Er gibt seine Unterschrift nicht gegen das Heim, sondern gegen Menschen. Die Asylbewerber sind Bürger von Ueckermünde. Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass sie bei uns wohnen.
Wo zeigt sich für Sie die Integration der ausländischen Mitbürger?
Da gibt es einfache Beispiele: So kaufen viele Ueckermünder Asylbewerber bei Lidl ein, das stört doch niemanden. Spontan fällt mir ein, dass Kinder und Jugendliche aus dem Asylbewerberheim in Bellin im Ueckermünder Tischtennis-Team spielen und dort schon mehrfach Landesmeister wurden. Oder aber die Kinder, die in unsere Schulen gehen. Ich frage mich, warum wir diese Menschen nicht hier in der Stadt haben wollen.
Gerade aus rechten Kreisen werden immer wieder Ängste wegen der angeblichen Kriminalität von Ausländern geschürt. Was ist aus Ihrer Sicht da dran?
Als in den ersten Jahren nach der Wende überwiegend Roma aus Rumänien in den Kreis überwiesen wurden, gab es etliche Probleme mit Diebstählen. Das muss man ehrlich eingestehen. Heute zu sagen, dass die Ausländer für die Kriminalität in unserer Region verantwortlich sind, ist aber Unfug. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass zum Beispiel der Anteil der insgesamt 270 Asylbewerber an der Gesamtbevölkerung in Ueckermünde und Pasewalk äußerst gering ist.
Wie reagieren die Ausländer, wenn sie von solchen Übergriffen wie jetzt in Pasewalk geschehen, erfahren?
Wenn es Angehörige anderer Nationalitäten betrifft, äußern sich viele nur, wenn sie daraufhin angesprochen werden. Sind allerdings die eigenen Landsleute betroffen, verhalten sich die Ausländer sehr solidarisch.
Nordkurier-Pasewalk
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27.02.2004
Kommentar: Multi-Kulti bringt mehr Vielfalt
Tagtäglich Bockwurst und Kartoffelsalat sowie Urlaub nur in den Alpen und an der Ostsee - manchem mag das vielleicht reichen. Doch Essen und Ferien können auch vielfältiger sein: Man denke nur an Pasta und Döner oder aber auch an einen Milchkaffee genossen in Paris oder einen Earl Grey, serviert in London.
Ob diejenigen, die mit Unterschriftenlisten und Flugblättern gegen die Verlegung des ghettohaften Asylbewerberheims aus dem Wald bei Bellin nach Ueckermünde hetzen, schon mal über solche Fragen nachgedacht haben? Oder aber haben die rechten Schläger, die dem griechischen Wirt in Pasewalk eine Flasche über den Schädel zogen, etwa noch nie Nudeln oder Gyros gegessen?!
Die rechte Szene spricht gerne vom "Untergang der Kulturen", wenn es um Ausländer in Deutschland geht. Eine schizophrene These, bringen doch gerade Italiener und Griechen, Afrikaner und Türken ihre Kultur, ihre Traditionen und Gewohnheiten mit und tragen damit zur Bereicherung unserer Gesellschaft bei. Offenheit und Toleranz gegenüber dem Fremden ist aber erforderlich, um dies wahrhaben zu können. Vielleicht sollten die grünen Mädchen und Jungen, die im Namen einer ominösen Bürgerinitiative gegen das Asylbewerberheim hetzen, zum Wachwerden mal eine Cola trinken - die kommt übrigens aus Amerika.
F. Wilhelm
Nordkurier-Pasewalk
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