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14.09.2002
Trauernde Eltern fühlen sich allein gelassen - Vor vier Monaten wurde Klaus-Dieter Lehmann getötet

Waren. Sie haben sich den Tatort inzwischen angeschaut. Jene Stelle im Neubrandenburger Reitbahnweg, an der ihr Sohn am 15. Mai dieses Jahres so qualvoll starb. Nichts erinnert dort mehr an die schreckliche Bluttat, doch Brigitte und Andreas Lehmann aus Waren überkommt immer wieder eine tiefe Trauer. Eine Trauer, mit der sich die Eltern seit dem Tod ihres Sohnes Klaus-Dieter aber auch allein gelassen fühlen. Der 19-Jährige Müritzstädter war wegen einer Herzkrankheit auf Hilfe angewiesen und nach Meinung seiner Mutter immer "ein wenig anders". Erst wenige Wochen vor seinem Tod zog Klaus-Dieter in eine betreute Wohngemeinschaft nach Neubrandenburg, arbeitete in einer Tischlerei und fühlte sich offenbar rundum wohl. "Die Arbeit hat ihm Spaß gemacht", erzählt der Vater von Klaus. Es sah alles so aus, als würde sich der Warener gerade fangen und irgendwann auch ein eigenständiges Leben führen können. Denn seine aufgeschlossene Art, mit der er auch in seiner Heimat schnell Kontakt fand, half ihm, in der Viertorestadt Fuß zu fassen. Aber jene Offenheit war es wohl auch, die ihm am 15. Mai zum Verhängnis wurde. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei lernte Klaus-Dieter einen 17- und einen 20-jährigen Neubrandenburger kennen. Mit den beiden Jugendlichen, die dem Aussehen nach der rechten Szene zugeordnet werden, ging der schmächtige Rotschopf auf Derby, zeigte ihnen sein Zimmer und wollte mit den "Kahlköpfen" zum See. Auf dem Weg dorthin ist es dann passiert. Die jungen Männer stritten sich heftig. Irgendwann schlugen die mutmaßlichen Täter mit Fäusten auf Klaus-Dieter ein. Als der schon auf dem Boden lag, traten die Schläger zu, einer von ihnen offenbar mit Springerstiefeln. "Es sah aus, als wäre mit seinem Kopf Fußball gespielt worden", sagt Oberstaatsanwalt Rainer Moser später. Zwei Wochen nach der Tat werden die Verdächtigen gefasst und sitzen seither in Untersuchungshaft. Um die Eltern allerdings hat sich niemand mehr so richtig gekümmert. Kein Psychologe, den vor allem Brigitte Lehmann so dringend gebraucht hätte. Denn die ersten Wochen nach der Tat hat sie nur mit Beruhigungs- und Schlaftabletten überstanden. Aber auch keine Behörde stand Lehmanns in den schweren Stunden zur Seite, um ihnen beispielsweise bei dem ungewohnten Papierkram zu helfen. Lediglich der Weiße Ring und der Neubrandenburger Verein "Lobbi", der für Opfer rechter Gewalt da ist, kümmern sich um die Familie. Letzterer will Brigitte und Andreas Lehmann auch zum Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begleiten. Die Eltern von Klaus-Dieter treten als Nebenkläger auf. Vor der Verhandlung haben sie heute schon Angst.

Nordkurier-Waren

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