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19.02.2004
Gymnasiasten erleben Zeitzeugin

Grimmen. Die Autorin Eva Sternheim-Peters machte bei ihrer Lesereise durch Mecklenburg-Vorpommern gestern einen Zwischenstopp am Grimmener Gymnasium. Vor den Schülern der 12. und 13. Klasse stellte sie ihr Buch "Habe ich denn allein gejubelt? - Eine Jugend im Nationalsozialismus" vor. Organisator der Lesung war die Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die 1925 geborene Westfahlin begann die Lesung ihres mit "autobiographischen Erlebnissen gespickten Geschichtsbuches" mit ihren ersten Kindheitserinnerungen aus der Zeit der Weimarer Republik. Die Weltwirtschaftskrise hatte sechs Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit und weite Teile der Bevölkerung zur Verzweiflung getrieben. "Es entstand die Sehnsucht nach einer Regierung, die sich dem Volk zeigte. Man wollte einen starken Führer", vermittelte sie ihre Eindrücke von damals und schimpfte anschließend auf die Verlogenheit der Leute während der Entnazifizierung von 1945, bei der niemand mehr mit Hitlers Machtaufstieg zu tun haben wollte. "Die Deutschen haben Hitler ja nicht wegen seines Antisemitismus gewählt, sondern weil er Arbeit versprach", versuchte sie ihren Zuhörern klar zu machen. Immerhin wurde mit dem Gesetz zur Arbeitslosenverminderung bereits einen Monat nach Amtsantritt 1,2 Millionen Arbeitsstellen geschaffen. "Zwar für wenig Geld, aber die Männer brannten förmlich auf Arbeit", ergänzte die Zeitzeugin weiter. "Mit Darlehen an die Familien wurde die marode Industrie wieder angekurbelt. Zudem lebten wir in einer Propagandablase, wo an Stelle von Kriegsbestreben Friedensbeteuerungen und Verbrüderungen dominierten."

Die gebürtige Paderbornerin schreckte während ihrer Ausführungen auch nicht davor zurück, mit der einen oder anderen Gesangseinlage den Zusammenhalt bzw. den Antisemitismus, welcher in der Bevölkerung des Dritten Reiches herrschte, zu veranschaulichen. Mit verblüffender Ehrlichkeit stellte sich Eva Sternheim-Peters den anschließenden Fragen des Publikums, um weitere Details ihrer Jugend und ihres Buches, welches durchaus jede Menge Brisanz enthält, zu klären.

MARTIN BOLDT

Ostseezeitung-Grimmen

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