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12.09.2002
Musikalisches Toleranztraining - Sechs Bands beim Carocktikum dabei - Rechte blieben aus

Neustrelitz (st). Das Carocktikum wurde 1999 vom Schulverein (heute 312 Mitglieder) ins Leben gerufen. Die Idee, ein Forum für Neustrelitzer Bands zu schaffen und die Jugend aus Neustrelitz einmal pro Jahr mit einer richtigen Bühne und einer professionellen Tonanlage zu beschenken, stammt vom Musiklehrer Reinhard Gust. "Die Jugendlichen wollen ihre eigene Musik hören und spielen, und der gemeinsame Nenner heißt Rockmusik." Treu zu seinem Motto "üben in Toleranz, auch musikalische" hatte der Musiklehrer dieses Jahr sechs Bandsausgewählt, die sich stark voneinander unterschieden, davon zwei Schülerbands aus Neustrelitz "Cool Dur" und "Pituitary Gland". Es spielten auch die Neustrelitzer Hardrockgruppe "Schicksal", die Bluesband "Strong roots" aus Penzlin, die Punkgruppe "Klappstuhlgang" aus Rostock und die Berliner Ska- Punkband "Tiefenrausch". Nach einer kleinen Umfrage bei circa 80 Jugendlichen gegen Ende des Abends stellte sich heraus, dass "Schicksal" dem jungen Publikum am besten gefallen hatte. Die häufigsten Aussagen waren: "weil sie eben aus Neustrelitz sind", "weil sie auf deutsch singen" und "weil man da richtig abfahren kann". Weil er von ihrem Ruf wusste, die rechte Szene anzuziehen, hatte Lehrer Reinhard Gust im Vorfeld ein intensives Gespräch mit "Schicksal" geführt. "Da sich die Band gegen Rechtsextremismus bekannte, habe ich sie eingeladen, habe auch dafür Kritik geerntet, aber ich stehe zu meiner Entscheidung." Der von manchen Kritikern befürchtete Zulauf neonazistischer Glatzköpfe blieb tatsächlich aus, und dieselben Jugendlichen, die bei "Schicksal" wild herum gesprungen waren, tanzten fleißig auf "Strong Roots" weiter, trotz radikalem Musikwechsel. Für das Abendkonzert verkauften drei Schüler, mit eigenen Computern ausgerüstet, die 885 per Internet gebuchten Karten. Die Taschenkontrolle war streng, es durften keine Glasflaschen hinein geschmuggelt werden. Diese Präventivmaßnahme, sowie der hohe Preis des Pfands für Pappbecher vermieden das traurige Schauspiel von zerbrochenem Glas und Müllhaufen am nächsten Tag.

Nordkurier-Neustrelitz

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