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12.09.2002
Anschlag in Below löst Nachdenklichkeit aus - Politiker und Bürger denken über Konsequenzen nach

Wittstock/Schwerin (dpa) Die Ruhe täuscht. Knapp eine Woche nach dem Brandanschlag ist im "Museum des Todesmarsches" im Belower Wald bei Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) keine Normalität eingekehrt. Beißender Geruch erfüllt den Ausstellungsraum, der schwarz verräuchert ist. Scherben von zersprungenen Bildern liegen herum, von den Decken hängen verkohlte Reste. "Die Besucher lassen sich davon nicht abhalten", sagt Edith Lück, die hier arbeitet. "Am Wochenende kamen fast 100 Leute, doppelt so viele wie sonst."

Der "Knotenpunkt des Todes", wie ihn Historiker bezeichnen, liegt nur wenige Meter entfernt von Below, das schon zu Mecklenburg gehört. Auch den 18 000 Häftlingen, die 1945 dort im Wald lagerten, wird diese Grenze gleichgültig gewesen sein.

Lange Zeit fristete das 1981 eröffnete Museum ein Schattendasein, Gerüchte über eine Schließung machten die Runde. Jetzt ist alles anders. 57 Jahre nach dem schrecklichen Geschehen führt der Anschlag auf die Gedenkstätte nicht nur zu Schlagzeilen. Er bringt Menschen zum Nachdenken und Protesten gegen extremistische Gewalt, lässt Kriminalisten beider Länder zusammenarbeiten. Sonderkommissionen prüfen Zusammenhänge zwischen dem Vorfall im Belower Wald und fünf Anschlägen in Westmecklenburg.

Die Taten sind kaum ein Zufallsprodukt der Hirne "dumpfer Skinheads", als die laut Staatsanwaltschaft beispielsweise die Rechtsradikalen in Wittstock gelten. Wer einen blutigen Schweinekopf am Tatort hinterlässt, wie im Januar in Raben-Steinfeld südlich von Schwerin, benutzt ein seit dem Mittelalterverwendetes Synonym für das rassistische Schimpfwort "Judensau" - er hat sich gedanklich und materiell vorbereitet.

Und er hat sich - wie das Internationale Sachsenhausen-Komitee als Vertreter der in dem KZ geschundenen Menschen betonte - mit der Verunglimpfung der Opfer außerhalb der demokratischen Gesellschaft gestellt. Wichtiger als harte Strafen nach Ergreifung der Täter erscheint das, was Wittstocks Bürgermeister Lutz Scheidemann (FDP) sagt: "Wer in Springerstiefeln durch die Stadt läuft, trägt die Kleidung derjenigen, die diesen Anschlag zu verantworten haben. Wir lassen rechtsextremistische Aktivitäten nicht zu!"

Ostseezeitung

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