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22.12.2003
Keine Resonanz auf Vortragsreihe - Schulen haben Angebot zu Diskussion über jüdisches Leben noch nicht angenommen
Pasewalk (sha). "Es zeigt sich doch immer wieder, dass gerade bei den Schülern wenig über das jüdische Leben in Pasewalk bekannt ist." Ute Hellwig, Leiterin des Museums in Pasewalk, ist enttäuscht. Doch nicht nur sie, auch Heinz Kallmann von der Jüdischen Gemeinde in Berlin ist nicht glücklich. Vor einigen Wochen wurden Flyer zu einer Vortragsreihe über das Leben der Juden in den Schulen des Kreises verteilt - bisher ohne Resonanz. Lediglich die Ausstellung "700 Jahre jüdisches Leben in Pasewalk", die bis zum 1. Februar im Museum in Pasewalk gezeigt wird, stößt auf Zuspruch. "Besucher fragen gezielt nach der Ausstellung", so die Museumsleiterin. Schulklassen, sagt sie, würden jedoch nicht oft kommen. Dabei herrsche gerade unter der jungen Generation noch viel Unwissen über das Leben der Juden.
Der Pasewalker Hobby-Historiker Peter Brose hatte die Ausstellung zusammengestellt. Für die Schulklassen erstellte er extra Fragebögen zum Themenkomplex. Die Führungen durch das Museum werden für jede Altersgruppe entsprechend organisiert, erklärte Ute Hellwig. Doch bei den Bildungseinrichtungen in der Region scheint offensichtlich Desinteresse bei diesem Thema zu herrschen. "Nicht eine Schule hat sich bisher für einen Vortrag von Heinz Kallmann gemeldet", so Ute Hellwig.
Film über Schicksale Dabei seien die Vorträge des Zeitzeugen kostenlos. Selbst um die Organisation würde sich das Museum in Pasewalk kümmern. Der 78-Jährige zeigt einen Film über Einzelschicksale in der Zeit der Judenverfolgung. Die Geschichten seien derer Heinz Kallmanns, der ein Überlebender des Holocausts ist, ähnlich. Kallmann selbst floh im Alter von 13 Jahren mit dem letzten Kindertransport nach England und erhielt dort Asyl. Seine Eltern mussten damals in Deutschland bleiben. Erst 1976 kehrte er zurück.
Seine Geschichte und ähnliche Schicksale sollen Bestandteile der Diskussionsrunde sein, die der Berliner gern mit den Schülern führen möchte. Auch zu verabredeten Nachmittags- und Abendterminen erklärte sich Heinz Kallmann, der für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz von Bundespräsidenten Johannes Rau ausgezeichnet wurde, bereit.
Seit sieben Jahren spricht Heinz Kallmann immer wieder vor Schülern in der gesamten Bundesrepublik über das erlebte Geschehen. Dass in der Region nun niemand daran interessiert ist, ist für den 78-jährigen mehr als enttäuschend. "Auch in Pasewalk ist es notwendig, mehr über das Judentum zu erfahren", ist seine Meinung. Neben der Ausstellung im Museum müsse von den Besuchern und Schülern mehr hinterfragt werden. Das Thema sei zu umfangreich, um es in Vergessenheit geraten zu lassen. Seine Ausstellung "Der Gelbe Stern", die schon in vielen Teilen der Bundesrepublik gezeigt wurde, können Schulen kostenlos von ihm bekommen.
Der Zeitzeuge hofft noch auf eine entsprechende Resonanz bei den Schulen des Landkreises. Interessenten können sich bei den Mitarbeitern des Museums Pasewalk melden.
Nordkurier-Pasewalk
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