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22.12.2003
Afrikanische Trommeln spielen zum Fest - Teterower THUSCH zeigt "Weihnachten international" - Künstler aus fünf verschiedenen Nationen dabei


Von unserem Redaktionsmitglied Christina Gest

Teterow. In England kommt der Weihnachtsmann durch den Kamin, in Holland legt er mit dem Schiff aus Spanien an und in Frankreich feiert man schon am Nikolaustag mit großen Geschenken. All das passiert auf europäischen Boden und mutet uns trotzdem bereits seltsam an. Aber wie feiert man in Afrika?

"Fe xoxo kple fe yeyenami", das heißt "Frohe Weihnachten" auf dem Schwarzen Kontinent. Und noch viel mehr über fremde Kulturen erfuhr, wer am Freitagabend das musikalische Bühnenstück "Weihnachten international" im Teterower THUSCH sah. Denn der Name war Programm: Zu sehen war ein kulturelles Potpourri aus fünf Nationen. Neben der Trommelgruppe "Afrika LonLon" aus Togo traten Gäste aus dem Irak, dem Kosovo, Serbien und Rußland auf, um den Besuchern des THUSCH jeweils einen Teil der heimischen Kultur nahezubringen.

Furioser Auftakt waren die 19 Mitglieder der Gruppe "Afrika LonLon", die in bunten Anzügen und mit fröhlichen Gesängen und Tänzen das Bild von der besinnlichen Weihnacht gehörig ins Wanken brachten. Kein gemütliches Miteinandermusizieren zu sanften Glockenklängen, sondern ein wilder Stimmenmix zum Rhythmus von Tamtam-Trommeln war es, der die Gäste im THUSCH mitriss. Geradezu den Gegensatz zu diesem bunten Treiben bot der russische Kinderchor "Kalinka". Mit großer Disziplin sangen die Spätaussiedler-Kinder zur Akkordeon-Begleitung folkloristische Weihnachtslieder, die so manch ein Gast im Publikum noch mitsummen konnte. Deutsche Besinnlichkeit verbreitete hingegen die Teterower Musikschule mit traditionellen Liedern auf Flöte und Gitarre.

Späte Generalprobe

Verbunden wurden alle Auftritte von den vier Darstellern der jungen Theatergruppe des THUSCH, die über weihnachtliche Gepflogenheiten und Bräuche in anderen Ländern berichteten. Lieder vom Balkan stellten Marko Marovic aus dem Kosovo am Keyboard und Svetomir Vutkovis aus Serbien an der Gitarre vor. Alexander Gerdt sang und spielte ein Musikstück aus Kasachstan.

Und weil es in der muslimischen Kultur des Nahen Ostens eigentlich kein Weihnachten gibt, verzauberte der irakische Zahnarzt Raed Hashim Faiq das Publikum kurzerhand mit einem arabischen Liebeslied auf der Geige. Die Idee zu "Weihnachten international" hatte Bärbel Müller, Leiterin des "Treffs Grenzenlos" in Güstrow. Der Treff ist eines von drei Projekten der Regionalen Arbeits- und Beschäftigungsgesellschaft, kurz RABS, aus Güstrow. "Wir beschäftigen uns mit der Integration von Einwanderern", erzählt sie. "Auf einem Workshop mit Immigranten bemängelte der Germanistikstudent Katcha Koissin aus Togo, dass die Deutschen viel zu wenig über Afrika wüssten. Deswegen wollte er ein Theaterstück über das Leben einer afrikanischen Familie schreiben." Das Stück sei fertig, aber um darauf aufmerksam zu machen, kam Bärbel Müller die Idee mit dem interkulturellen Weihnachtsprogramm.

Katcha Koissin, Mitglied der Trommelgruppe "Afrika LonLon", lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Er ist Asylbewerber, so wie alle internationalen Künstler, die am Freitag im THUSCH auftraten. "Weil wir in Güstrow etwas machen wollten, haben wir zunächst 'Afrika LonLon' gegründet", erzählt der Germanistikstudent. 19 Mitglieder, allesamt aus dem westafrikanischen Togo, treffen sich seitdem regelmäßig zum Proben von Gesang, Tanz und Trommeln. "Heute war unser erster Auftritt auf einer großen Bühne." Am 15. Januar habe die Gruppe die nächste Aufführung. "Es war gar nicht so einfach, die sehr unterschiedlichen Kulturen auf der Bühne zusammenzubringen", gesteht Katrin Hellmann, Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters THUSCH, die die künstlerische Leitung von "Weihnachten international" übernommen hatte. "Zunächst habe ich zusammen mit dem jungen Theater eine Rahmenhandlung geschrieben, in die die Musikstücke eingebunden wurden."

Hauptproblem bei den Proben mit der afrikanischen Kulturgruppe "Afrika LonLon" waren die Sprachbarrieren, berichtet Katrin Hellmann. "Aber auch die Tatsache, dass eine Frau vor ihnen steht und Vorschläge und Tipps zur Aufführung gibt, sorgte für Spannung." Letztlich aber sei es sehr aufregend gewesen, zu sehen wie alle Kulturen, die immer getrennt voneinander geprobt hatten, zusammen arbeiten. "Die erste Generalprobe mit allen Künstlern fand nämlich erst Freitagnachmittag vor der Aufführung des Stücks statt."

Nordkurier-Teterow

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