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20.12.2003
Mit Gewalt seinen Platz finden? - Anti-Gewalt-Projekt an Brüeler Schule

Brüel. Gestern Vormittag in der Brüeler Stadthalle: Die Bühne ist Ort für eine gespielte Gerichtsverhandlung gegen zwei ehemalige SS-Offiziere aus dem Lager Auschwitz. Einer der Angeklagten beschimpft immer noch die Juden, zeigt ohne jeglichen Respekt vor den Richtern immer noch seinen Hass gegen die damals Verfolgten, obwohl die Zeit der Judenverfolgung und -verbrennungen seit mindestens fünf Jahren vorbei ist.

Die Klasse 10B der Regionalen Schule hatte sich als Weihnachtsgeschenk für die Schule im Rahmen des Anti-Gewalt-Projektes diese Gerichtsverhandlung aus den 50er-Jahren ausgedacht. Die Klasse 10A spielte ein Theaterstück aus der Gegenwart, in der die gesellschaftliche Meinung zum Tragen kommt, mit Gewalt selbst oder mit Gleichgültigkeit der Gewalt gegenüber den Platz in der Gesellschaft erobern zu müssen.

Hass, der in Gewalt ausartet, körperliche Gewalt, seelische Gewalt, Gewalt in verschiedensten Formen - das ist seit dem 24. September an der Brüeler Regionalschule das Projektthema in allen Klassen. Eingeleitet wurde es durch eine Weimarer Theatergruppe mit einem entsprechenden Stück. Von da an beschäftigte sich jede Klasse an der Schule mit verschiedenen eigenen Veranstaltungen immer wieder mit dem Thema Gewalt. Und wenn es passte, wurde das Thema auch in den Unterricht eingebaut.

"Diese Veranstaltung, die zwei Theateraufführungen der beiden zehnten Klassen am gestrigen letzten Schultag soll nun der Höhepunkt unseres Anti-Gewalt-Projektes sein", erklärte Lehrerin Viola Hubrig. Außerdem sei es ein Weihnachtsabschiedsgeschenkt der zehnten Klassen an die Schule. Die Zehnten lassen sich da immer etwas einfallen. Das Projekt war für die gestrigen Schauspieler, aber vor allem für die Zuschauer, die übrigen Schüler der Brüeler Regionalschule, Anregung, darüber nachzudenken, wie es in ihrem eigenen Umfeld mit der Gewalt aussieht. Dass diese oftmals auch an Schulen ein beherrschendes Mittel ist, sich durchzusetzen, sich in den Vordergrund zu spielen oder einfach nur eingesetzt wird, um jemand anderen klein zu machen oder zu unterdrücken. Das bestätigen und erleben sowohl Lehrer als auch die Schüler selbst immer wieder.

Kerstin Mauersberger

Schweriner Volkszeitung-Sternberg

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