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18.12.2003
"Das sind falsche Signale an die Täter" - Verein Lobbi: Weg bis zu Verfahren zu lang
Ueckermünde (ls). "Wer aus einer rechten Motivation heraus schwere Gewalttaten verübt, muss sich in Ueckermünde sehr spät oder gar nicht dafür verantworten", teilte der Verein Lobbi, der sich in Mecklenburg-Vorpommern um Betroffene rechter Gewalt kümmert, in einem Schreiben an die Redaktion der Haff-Zeitung mit.
Dieser Eindruck sei entstanden, sagt Kay Bolick vom Neubrandenburger Lobbi-Regionalbüro, weil nach zwei solcher Attacken, die vor längerer Zeit in Ueckermünde von offenbar rechts gerichteten Jugendlichen verübt wurden, offenbar noch keine gerichtlichen Schritte gegen die Täter eingeleitet wurden.
Tür verschlossen
In einem Fall waren vor etwa anderthalb Jahren "zwei alternative Jugendliche" von einer "Gruppe Rechter" angegriffen worden. Die beiden damals 16-Jährigen wurden seinerzeit ohnmächtig und mit schweren Gesichtsverletzungen in der Geschwister-Scholl-Straße liegen gelassen. "Ein Eisladenbesitzer hatte gar die Tür vor den Hilfesuchenden verschlossen", heißt es in der Pressemitteilung. Informationen über den Stand der Ermittlungen haben die beiden Opfer trotz Nachfragen immer noch nicht, teilte Bolick mit.
In einem anderen Fall im Sommer 2002 waren drei junge Männer aus Sachsen die Opfer. "Sie hatten angeblich Drogen konsumiert, und die Rechten wollten sich als Ordnungskraft aufspielen", sagte Bolick. Das geschah, indem die Täter das Zelt, in dem die drei jungen Männer schliefen, mit "einem Brandbeschleuniger überschütteten und dann anzündeten." Mit viel Glück konnten sich die Sachsen aus dem brennenden Zelt, das am Ueckermünder Strand stand, retten. Die jungen Männer kamen mit einem Schock und leichten Verbrennungen davon. Der Sachschaden betrug etwa 500 Euro. Die Täter wurden ermittelt und waren geständig, so Kay Bolick. Den Brandstiftern ist aber bislang der Prozess noch nicht gemacht worden, hieß es. Und die Sachsen seien auch enttäuscht, dass es zu dem Vorfall aus der Haffstadt bislang keine Reaktion gab, merkte der Mann vom Lobbi-Verein an.
"Mangelnde Unterstützung für die Betroffenen rechter Gewalt, fehlende Zeugen und zu lange Zeiträume bis zu einem Gerichtsverfahren - das sind falsche Signale an die rechten Täter", sagte Kay Bolick. Sein Verein fordert deshalb eine "deutliche Positionierung gegen Rechts und einen solidarischen Umgang mit den Opfern derartiger Angriffe."
Rainer Moser, Leitender Oberstaatsanwalt bei der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft, nahm die vom Verein Lobbi geäußerten Vorwürfe gelassen zur Kenntnis. Nicht das erste Mal werde die Staatsanwaltschaft damit konfrontiert. "Ich kann mitteilen, dass beide Fälle zur Anklage gelangt sind", sagte Moser. Der Zeltbrand-Vorgang ist Ende Oktober an das Jugendschöffen-Gericht in Pasewalk weitergeleitet worden, die andere Angelegenheit wurde dem Jugendrichter in Ueckermünde übergeben. Zu den genauen Terminen für die Hauptverhandlungen konnte der Oberstaatsanwalt keine Angaben machen.
Nordkurier-Ueckermünde
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