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03.12.2003
"Dschungelheime" gehören bald der Vergangenheit an - Veränderungen bei Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen
Schwerin. Ab Mitte 2004 werden Asylbewerber und Flüchtlinge im Land nicht mehr weit abgelegen von der nächsten Ortschaft untergebracht. Bis dahin sollen insgesamt acht der so genannten "Dschungelheime" geschlossen sein. Eigentlich hatte das Schweriner Innenministerium den Landkreisen eine Frist bis Jahresende gesetzt, um die Asylbewerber ortsnäher sowie mit mehr Platz, mehr Freizeitmöglichkeiten und mehr Betreuung unterzubringen. Bereits geschlossen sind die Unterkünfte in Drüsewitz und Kossebade (Landkreis Parchim) sowie Eichenthal (Nordvorpommern). Bis Jahresende schließen auch Garz auf Usedom und Peeschen im Landkreis Parchim. Übergangsfristen haben Tramm (Parchim), Bellin (Uecker-Randow) und Hinrichsfelde (Demmin) eingeräumt bekommen. Am Ende werden etwa 970 Unterkunftsplätze gestrichen sein, die nicht mehr den Anforderungen entsprachen, sagt der Chef des Landesamts für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten Wolf-Christoph Trzeba. Derzeit leben in Mecklenburg-Vorpommern etwa 5500 Asylbewerber. Knapp 20 Prozent davon sind inzwischen nicht mehr in Gemeinschaftsunterkünften, sondern in einzelnen Wohnungen in den Städten untergebracht. Zwei Kilometer Fußweg bis zur Bushaltestelle an der nächsten Landstraße war bei den "Dschungelheimen" keine Seltenheit. Hinzu kamen ein Mangel an Kochgelegenheiten, zu kleine und überbelegte Zimmer oder fehlende Spielplätze für die Kinder. In weiteren Fällen waren die Heime, zum Beispiel Containerunterkünfte, nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben und wurden wie in Neubrandenburg ver- oder zusammengelegt.
Lob und Kritik
Nicht jeder Bürgermeister wollte "seine" Asylbewerber und Flüchtlinge von dannen ziehen lassen. "Sie sind doch fester Bestandteil des Ortes", sagt etwa Helmut Krüger im nordvorpommerschen Miltzow. "Der Kaufhalle würden Kunden fehlen", so der Ortschef. Wenn der Kindergarten acht zugewanderte Kinder verlöre, wäre auch der Job einer Erzieherin in Gefahr. Außerdem habe schon mancher Ausländer die Fußballmannschaft verstärkt. Nicht zuletzt bekomme die Gemeinde für jeden Einwohner pro Jahr knapp 700 Euro an Schlüsselzuweisungen vom Land - und dabei werden Asylbewerber und Flüchtlinge mitgezählt. Doch die Vorteile zusätzlicher Einwohner wurden nicht überall dort, wo nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht wurde, gesehen. In Bad Doberan, Ducherow, Wolgast und Anklam formierte sich Widerstand, zum Teil aus der rechtsextremen Ecke. Allerdings protestierten auch die Bündnisgrünen, als der Landkreis Parchim etwa 170 Asylbewerber in Dargelütz unterbringen wollte. Der Ort hat selbst nur 140 Einwohner. Auch der Landkreis Ostvorpommern tut sich schwer bei der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten, nachdem ein Angebot aus Wolgast offenbar zu teuer war. Nun ist das leer stehende Gebäude der Bereitschaftspolizei in Anklam im Gespräch. Der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommerns lobt, dass das Schweriner Innenministerium Standards für Asylbewerberunterkünfte festgeschrieben hat. "Allerdings werden die Richtlinien offenbar mancherorts unterlaufen", sagt eine Sprecherin. Das betreffe auch die Qualität des Personals. Vereinzelt könne von sozialpädagogischer Betreuung keine Rede sein. Der Flüchtlingsrat fordert deshalb das Innenministerium auf, die Heime besser zu kontrollieren. Wolf-Christoph Tzreba weist die Kritik zurück. In Einzelfällen könne es Mitarbeiter geben, die noch nicht den Anforderungen entsprechen. Aber auch die müssten bald zur Nachschulung.
Nordkurier
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