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29.11.2003
Einzige Frauenverbindung - Philologische Schwesternschaft "Athena" wurde 2002 gegründet
Greifswald. Eine Studentenverbindung, die nur Frauen aufnimmt - das hat zumindest im Osten Deutschlands großen Seltenheitswert. Wenn Rebekka Ott, Nieke Wienrich und Julia Schneider mit ihren violett-weiß-maigrünen Bändern (im Volksmund trotz schmalerer Ausführung oft Schärpe genannt) in der Stadt präsent sind, dann sorgen sie für Aufsehen. Diese Farben trug schon der Greifswalder Klassisch-Philologische Verein, der 1904 als Nachfolger der Philologischen Gesellschaft (ab 1877) gegründet wurde.
Im Gegensatz zu Rostock war die Greifswalder Universität stets eine Hochburg der Verbindungen. Die Philologische Schwesternschaft "Athena" (www.athena-greifswald.de) ist noch jung, sie wurde am 10. Oktober 2002 gegründet. Nach der Wende gab es mit der "Alethia" schon einmal eine Damenverbindung. Die soll für, sagen wir, gute Kontakte, zu männlichen Verbindungsstudenten bekannt gewesen sein. Von der "Alethia" distanzieren sich die drei Studentinnen. "Wir sind keine Partyluder" bringt es Nike Wienrich auf den Punkt.
Genau so falsch sei es, sie als weiblichen Ableger der Burschenschaft Rugia zu betrachten, nur weil eine von ihnen mit einem Mitglied der Rugia befreundet ist und man dorthin gute Beziehungen unterhält. "Wir kämpfen mit einem riesigen Berg von Vorurteilen", so Rebekka Ott. "Manchmal kann man gar nicht so blöd denken." Über die Vorstellung, dass die Athena ein Handarbeitszirkel ist, könne man noch schmunzeln, aber bei der Bezeichnung als Frauensturm der NPD hört für sie die Freundschaft auf.
Und wo steht die Athena? "Wir sind nicht politisch oder konfessionell gebunden", sagt Julia Schneider. "Grundsätze sind Freundschaft, Einigkeit und Vertrauen. Dass es neben Rechten Pflichten gegenüber der Gruppe gibt, ist doch nichts Schlechtes." Rebekka Ott schätzt den Zusammenhalt an der größer gewordenen Universität, den Austausch mit Studenten anderer Fächer. Die Athenen halten auch wissenschaftliche Vorträge. Sie studieren Latein und Deutsch als Fremdsprache, Klassische Philologie und Kunstgeschichte. Freunde fürs Leben zu finden, Freundschaft in guten und schlechten Zeiten pflegen, dass ist auch für Nike Wienrich ganz wichtig. Beim Studium gibt es keine Klassen. Verbindungen geben Gemeinschaft. Darum engagierten sie sich jetzt als Tutoren für die Erstsemester. Aber erst ab dem Markt der Möglichkeiten mit Band, betonen sie.
Die Athena spielt (noch) in einer anderen Liga als Koporationen wie Alemannia, Borussia oder Verein Deutscher Studenten mit eigenen Häusern. Ihre Konstante ist die Küche der Wohngemeinschaft in der Bleichstraße 49. Stammtische finden im Kontor statt.
Ostseezeitung-Greifswald
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