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27.11.2003
Ausstellung erinnert an Verführbarkeit - Dokumentation "Nicht nur Prora!" in Anklam


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Rainer Stommer vom Prora Zentrum und Piet Oltmanns vom Verein "Bunt statt Braun" während der Ausstellungseröffnung.

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Nationalsozialisten wussten die Faszination an der Raumfahrt zu nutzen.

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Einer der ersten Besucher: Klaus Jahns, vertieft ins Lesen.

Von unserem Redaktionsmitglied Antje Wegwerth

Anklam. Nicht die Gräueltaten des Nationalsozialismus, sondern der Weg dorthin steht im Vordergrund der Ausstellung "Nicht nur Prora! Erinnerungsorte Mare Balticum: Alt Rehse - Prora - Peenemünde", die gestern in der Aula der Käthe-Kollwitz-Schule eröffnet wurde. Peenemünde, Prora und Alt Rehse stehen einerseits für die Verführbarkeit des Menschen: Für die Faszination an der Raumfahrt, das Bedürfnis nach Urlaub und Erholung und den Wunsch, frei von Krankheit leben zu können, erläuterte Rainer Stommer vom Prora Zentrum in seiner Eröffnungsrede.

Auf dieser Verführbarkeit gründete sich die Propaganda der Nationalsozialisten. In Peenemünde, Prora und Alt Rehse habe sie ihren eigentümlichen Ausdruck gefunden. Da sei zum Beispiel die Doppelversuchsanstalt für Heer und Luftfahrt in Peenemünde. Bis heute werde der Ort Peenemünde als "Wiege der Raumfahrt" bezeichnet. Aber: "Es ging in Peenemünde nicht um die Raumfahrt, sondern von Anfang an um Kriegsproduktion", betonte Stommer. Der Mythos "Wiege der Raumfahrt" lasse sich bis heute nur schwer demontieren und zeuge von der Wirksamkeit der NS-Propaganda. Die Reichsärzteführerschule in Alt Rehse wäre nicht denkbar gewesen, wenn große Teile der deutschen Ärzteschaft nicht schon vor 1933 auf die gezielte Auslese als Mittel zur Gesundung des Volkes gesetzt hätten; das "Kraft-durch-Freude-Bad" Prora nicht, wenn das Versprechen auf "günstigen Urlaub" nicht ein unmittelbares Bedürfnis angesprochen hätte.

Die gestern eröffnete Ausstellung erinnert also mit Prora, Peenemünde und Alt Rehse an Verführbarkeit, Propaganda und Alltag im und vor dem Nationalsozialismus. Die von der Landeszentrale für politische Bildung, dem Prora Zentrum und dem Verein "Politische Memoriale" präsentierte und der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung finanzierte Dokumentation kann noch bis zum 12. Dezember täglich von 7 bis 14 Uhr besichtigt werden. Termine außerhalb der Öffnungszeit können unter Telefonnummer 03971 835137 vereinbart werden.

Nordkurier-Anklam

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