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26.11.2003
Trauer bei "Kameraden" aller Couleur - Der kürzlich verstorbene NPD-Kader Eisenecker verteidigte oft und gern rechte Gewalttäter

Sowohl NPD als auch "Kameradschaften" lancieren derzeit Nachrufe auf Hans Günter Eisenecker. In einem Text der NPD heißt es, der promovierte Jurist sei am 7. November "nach langer schwerer Krankheit" im Alter von 53 Jahren gestorben. Eisenecker war von 1998 bis zu seinem Tod Landesvorsitzender der NPD Mecklenburg-Vorpommern. Sein Stellvertreter Stefan Köster erklärte, mit ihm verliere man "eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Widerstand".

1998 bis 2001 war Eisenecker zudem Vizechef der bundesdeutschen NPD und mit Michael Nier einer der Propagandisten eines pseudo-antiimperialistischen Kurses. So forderte er in der Schrift "Das Bekenntnis des Nationaldemokraten", Großindustrie, Banken, Versicherungen, "aber auch Daseinsvorsorgebetriebe wie Post, Bahn, Energielieferer" müßten "in Volkseigentum überführt werden". Und weiter: "Unser Kampf zielt daher in erster Hinsicht auf eine geistige Befreiung von der kulturellen und politischen Überfremdung durch die USA". Nach dem Scheitern dieses Ansatzes innerhalb der NPD trat er - ganz Überzeugungstäter - als stellvertretender Parteivorsitzender zurück.

Als Justitiar der NPD jedoch vertrat er die Partei zusammen mit Horst Mahler im Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht. Während des Verfahrens leistete Eisenecker den Hauptteil der Arbeit.

Auch bei anderen juristischen Problemen der extremen Rechten gehörte Eiseneckers Praxis im mecklenburgischen Dorf Goldenbow zu den ersten Adressen. Er zeichnete verantwortlich für die gerichtliche Durchsetzung unzähliger Aufmärsche der NPD und der "Kameradschaften". Bis zum Verbot der "Nationalistischen Front" 1992 und der "Wiking Jugend" 1994 vertrat er auch diese beiden Organisationen juristisch. Eisenecker war unter anderem Verteidiger des NPD-Kaders Thorsten Crämer, der 2000 einen Angriff auf Teilnehmer einer Veranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Kemna bei Wuppertal angeführt hatte. Auch Mitglieder militanter "Kameradschaften" vertrat er. Im NPD-Nachruf wird betont: "Die Zahl der Kameraden, die vor die Schranken einer politisierten Justiz gezogen wurden und die oft genug glimpflich davonkamen und dies seiner Verteidigerkunst zu verdanken haben, ist Legion." Dies dürfte der Grund dafür sein, daß auch die "Kameradschaftsszene" Eisenecker die Ehre eines Nachrufs erweist. "Daß Dr. Eisenecker führendes NPD-Mitglied war, hat uns nie gestört", wird darin versichert.

junge Welt

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