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11.09.2002
Mieter gegen neue Nachbarn - Asylbewerber ziehen am Markscheiderweg ein - Neuwoges setzt auf Gespräche
Neubrandenburg. Am Markscheiderweg in Fritscheshof hat sich Unruhe breit gemacht, nachdem bekannt wurde, dass im November Asylbewerber und Flüchlinge einziehen sollen (der Nordkurier berichtete). Ein nahezu leeres Internat und der benachbarte Wohnblock erweisen sich aus Sicht von Stadt und Wohnungsgesellschaft Neuwoges als idealer Standort. Der Haken: Im Fünfgeschosser am Markscheiderweg 15 bis 18 sind 28 von 40 Wohnungen belegt. Die Mieter empört die Aussicht auf neue Nachbarn ebenso wie die Tatsache, dass ihnen der Auszug empfohlen wird.
"Wir waren zuerst hier, warum sollen wir weg", fragt ein Anwohner empört und zeigt einen Brief der Neuwoges. "Wir versichern Ihnen ausdrücklich, dass wir! alles tun werden, um Ihre persönlichen Belange in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen. Wenn sie interessiert sind, werden wir ihnen eine vergleichbare Wohnung ihrer Wahl in Neubrandenburg anbieten", heißt es darin.
Die Einwände des Mieters kommen wie aus der Pistole geschossen: ! seit mehr als 25 Jahren gern hier! Wohnung perfekt eingerichtet! tolle Einbauküche reingezaubert! gefliest! Balkon vorhanden! Garage um die Ecke!" Kurzum, der alteingessene Fritscheshofer will am Rande der Oststadt bleiben.
"Natürlich muss am Markscheiderweg niemand ausziehen", betont Neuwoges-Geschäftsführer Frank Benischke. Für die Unterbringung von derzeit rund 260 Asylbewerbern und Flüchlingen reiche der Platz im Wohnheim und den zwölf schon verlassenen Wohnungen. Allerdings liege die Vermutung nahe, dass sich Mieter zum Auszug entscheiden, schätzt er ein. Ein Beratungsbüro im Markscheiderweg 18 bietet Gelegenheit, sich über alternative Wohnungen zu informieren. Bislang jedoch meldeten sich erst zwei Interessenten bei den Mitarbeiterinnen. "Wir kennen diese anfängliche Verweigerungshaltung auch von anderen Standorten, an denen Veränderungen anstanden", sagt Frank Benischke. "Wir hoffen, dass es sich auch hier bald gibt." Schließlich sei nur im Gespräch etwas zu erreichen.
Stadt sieht Vorteile
Verhandlungsspielraum sei durchaus vorhanden, versichert der Geschäftsführer und nennt Beispiele: Hilfe und Kostenerstattung beim Umzug, vorrangiger Zugriff auf frei werdende Wohnungen, möglicherweise sogar Unterstützung bei notwendigen Umbauten oder der Suche nach Stellplatz oder Garage.
Am Einzugstermin der neuen Nachbarn ist nicht zu rütteln, im Internat stehen nur noch wenige Umbauarbeiten an. Auf dem Hof seien Sichtschutzzäune und ein Kinderspielplatz geplant, kündigte Frank Benischke an. "Die Unterbringung hier bietet viele Vorteile: eine Busanbindung, die Einkaufsmöglichkeit, das Internat für die Unterbringung von einzelnen Personen, die Wohnungen für die Familien." Das sieht man im Rathaus ebenso wie im Landesamt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten, das dem neuen Standort zustimmen musste.
"Die alten Wohn-Container in Ihlenfelder- und Südstraße sind abgewirtschaftet", sagt Harald Walter, Fachbereichsleiter Soziales, Jugend, Gesundheit in der Stadtverwaltung. Dies habe Anlass gegeben, dem langgehegten Wunsch der Stadtvertreter zu entsprechen und eine günstigere Unterbringungsmöglichkeit für Asylbewerber und Flüchtlinge zu finden.
Nordkurier-Neubrandenburg
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