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11.09.2002
Bürgerin erschüttert über Nazi-Vorwurf - Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Rothenklempenow. Barbara Eckert traute ihren Augen kaum, als sie das Schreiben der Kriminalpolizei gelesen hatte: Sie stehe unter Verdacht, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zu verwenden, war darin zu lesen und sie solle sich dazu äußern. Noch heute, einige Wochen später, ist der 57-Jährigen ihre Fassungslosigkeit anzumerken, wenn sie davon spricht: "Schon allein die Formulierung 'verwenden' finde ich unerträglich - jeder, der mich nicht kennt und diesen Vorwurf hört, muss doch glauben, ich würde jeden Morgen die Hakenkreuzfahne hissen", sagt sie kopfschüttelnd gegenüber dem Nordkurier.

Von der Gemeinde verkauft

Hakenkreuze gibt es allerdings tatsächlich auf dem Grundstück der Rothenklempenowerin. Schon seit 1937, als ihr Haus errichtet wurde - "Erbaut vom Kommissar für die Osthilfe", wie noch heute in einen Fachwerkbalken eingeschnitzt zu lesen ist. Benannt worden war das idyllisch gelegene Anwesen damals nach Martin Faust, einem Nationalisten, der während Hitlers Marsch zur Feldherrenhalle in München als 22-Jähriger getötet und nach der Machtergreifung der Nazis von ihnen als Märtyrer verehrt worden war.
Deshalb wurde sein Name ebenfalls ins Fachwerkgebälk geschnitzt, links und rechts gesäumt von einem Hakenkreuz und einer Odalrune, die ebenfalls in der Bundesrepublik als Symbol verboten ist. Auch in einige Seitenbalken wurden die Nazi- Zeichen geritzt.
Dort überdauerten sie die Zeit des zweiten Weltkrieges und Jahrzehnte der nach eigenen Angaben antifaschistischen DDR, während denen das Anwesen über viele Jahre im Besitz der Gemeinde Rothenklempenow war - bis die Kommune das Gehöft schließlich Anfang der 80-er Jahre an den Ex-Mann von Barbara Eckert, unter Regie des damaligen und noch heutigen Bürgermeisters Egon Behm, verkaufte.
Dieser kann sich offenbar gut daran erinnern, dass die Hakenkreuze bereits damals vorhanden und auch zu sehen waren. Das erklärte jedenfalls Kriminalhauptmeisterin Sylvia Peters, die Ermittlungen zu dem Fall angestellt hat, gegenüber dem Nordkurier. "Herr Behm hat mir bestätigt, dass diese Kreuze damals und bereits in den Jahren zuvor vorhanden waren", sagt sie.
Ein Grund dafür, weshalb neben Barbara Eckert selbst die Kriminalpolizistin den Fall skeptisch beurteilt. "Es hat mich schon gewundert, dass jetzt plötzlich Anzeige erstattet wurde, denn es ist allgemein bekannt gewesen - und zwar seit Jahrzehnten -, dass diese Symbole da sind", sagt Sylvia Peters. Sie habe Barbara Eckert freilich dennoch darauf hingewiesen, dass die Zeichen verboten sind und - beispielsweise durch dunkle Farbe - unkenntlich zu machen seien. Der Rest sei Sache der Staatsanwaltschaft.
Diese hat unterdessen das Ermittlungsverfahren gegen Barbara Eckert eingestellt, wie aus einem Schreiben der Behörde, das dem Nordkurier vorliegt, hervorgeht.
Bleibt die Frage, wie es zu der Anzeige gekommen ist? Barbara Eckert glaubt an eine Kampagne gegen sie, weil sie sich gerichtlich vehement gegen die Errichtung und den Betrieb eines Schießplatzes, nur wenige hundert Meter von ihrem Grundstück entfernt, wehrt - und dabei bereits einen kleinen Teilerfolg erzielen konnte. Deshalb - so vermutet sie - seien die Ermittlungen initiiert worden.
Norma Pahl, Fachdienstleiterin für Ordnung und Sicherheit im Pasewalker Landratsamt, die die Polizei auf mögliche Symbole hingewiesen hat, weist diesen Vorwurf vehement zurück: "Das war kein persönlicher Rachefeldzug - so etwas liegt mir fern", sagt sie. Vielmehr seien die Nazi-Zeichen am Rande einer Beratung in der Verwaltung erwähnt worden und da diese nun einmal verboten seien, habe sie die Polizei gebeten, zu prüfen, was an der Sache dran sei.

Nordkurier-Pasewalk

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