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30.10.2003
Für Ausländer bleiben die Türen zu - Einige Diskotheken im Land verwehren Asylbewerbern den Zutritt zu ihren Tanzlokalen


Von unserem Redaktionsmitglied Steffi Schwabbauer

Anklam/Pasewalk. "Ich hab' Angst, in die Disko zu gehen", sagt Kokow. Der 32-jährige Togolese wurde im Dezember 2002 verletzt, als bislang unbekannte Täter drei Asylbewerber vor der Pasewalker Diskothek "Zum alten Schlachthof" überfielen. Vorfälle wie dieser haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Ausländer mittlerweile aus einigen Diskotheken des Landes verbannt werden.

Nach Informationen von LOBBI, einem landesweit aktiven Beratungsverein für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern, werden sie zum Beispiel an den Türen von Tanzlokalen in Pasewalk, Anklam, Bad Doberan und Rostock gezielt abgewiesen. Eintritt nur für Weiße? fragt der Verein deshalb jetzt provokant. Das streiten einige Diskothekenbesitzer auf Nachfrage des Nordkurier nicht ab. "Es gibt grundsätzlich Probleme, wenn wir Ausländer reinlassen", erklärt Bernd Ertel, Geschäftsführer einer anderen Pasewalker Diskothek namens "Kürassierpark" und ergänzt: "Ich will gar nicht sagen, dass die Probleme von ihnen ausgehen. Eigentlich benehmen die sich alle." Auch die meisten der anderen Gäste seien "anständig". Doch es gebe immer einige, die Streit anfangen. "Wir möchten diesen Problemen gern aus dem Weg gehen", erklärt Ertel mit Blick auf den Ruf seiner Diskothek.

"Übliche Begründung"

Schlechte Schlagzeilen will auch Eddi Hübner, Chef der Anklamer Diskothek "Der Club", unbedingt vermeiden. Also sage er Ausländern, die Einlass begehren: "Jungs, tut mir Leid. Ich kann nicht für eure Sicherheit garantieren."

Er habe nichts gegen Asylbewerber, betont Hübner, der durch eine Unterschriftensammlung gegen das gegenüber seinem Club geplante Asylbewerberheim in den Ruf gekommen ist, zumindest mit der rechten Szene zu sympathisieren. Dennoch begründet er das Abweisen von Ausländern an seinen Clubtüren mit Geschichten wie der von der "ziemlich hohen Arbeitslosenrate" und Schwarzafrikanern, "die mit einem Hunderter bezahlen" während Anklamer Jugendliche dahinter mit einem Fünfer in der Hand an der Kasse warten. Dann merke man schnell, "in dem Laden braut sich was zusammen". Konsequenz: Ausländer bleiben zu ihrer eigenen Sicherheit draußen.

"Das ist eine durchaus übliche Begründung", sagt Kay Bolick von LOBBI. Problematisch sei aber, dass die "potenziellen Opfer entfernt werden, nicht die potenziellen Täter". Die Diskobesitzer betreiben also Gewaltprävention im Sinne der rechten Szene. "Dieser Logik folgend wäre es die beste Möglichkeit, gar keine Ausländer ins Land zu holen", sagt Armin Schlender vom Landesrat für Kriminalitätsvorbeugung empört. Mit Blick auf "die vielen Integrationsprojekte im Land" wünscht er sich deshalb, dass "diese Diskotheken über ihren eigenen Schatten springen".

Schmaler Grat

Rechtlich bewegen die sich auf einem schmalen Grat zwischen Grundgesetz und eigenem Hausrecht, wie es zum Beispiel aus dem Gewerbeamt des Uecker-Randow-Kreises heißt. "Nach dem Grundgesetz kann jedermann an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen", sagt Achim Froitzheim, Pressesprecher des Landkreises, und verweist auf das Versammlungsrecht und die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Dem stehe das Hausrecht gegenüber, das dem Inhaber die Entscheidung überlasse, wer sein Haus betreten darf und wer nicht.

Hauptgrund für die meisten Handgreiflichkeiten in den Diskotheken scheint nach den Erfahrungen der Betreiber Eifersucht. Fordert ein Ausländer eine Frau zum Tanz auf, sind zumeist deren Freund oder Bruder nicht damit einverstanden und Handgreiflichkeiten vorprogrammiert. Doch nicht alle Tanzpaläste verschließen deshalb ihre Türen für Ausländer, wie Eddy, ein in Neubrandenburg lebender Togolese berichtet. Vor fünf Jahren sei er dort in der Diskothek "Alter Schlachthof" angegriffen worden, erzählt der 31-Jährige, dem in Deutschland Asyl gewährt wurde. Doch habe ihn damals ein anderer Deutscher verteidigt. "Nach dieser Erfahrung habe ich nie wieder Probleme gehabt", sagt Eddy. Auch in Greifswald würden Ausländer nicht an den Türen der großen Tanzlokale abgewiesen.

Kokow dagegen ist enttäuscht: "Wir kamen nach Deutschland, weil wir dachten, es ist ein demokratisches Land", sagt er. Von anderen Asylbewerbern in anderen Städten höre er immer wieder von Zwischenfällen in oder vor Diskotheken. Deshalb blieben die meisten im Asylbewerberheim. "Wir brauchen Hilfe, um auch mal hier rauszukommen", bittet er.

Nordkurier

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