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10.09.2002
Wut über Unwissen und Ignoranz - Reaktionen zur Tat auf Jüdischem Friedhof / Landesrabbiner kommt / Polizei sieht Parallelen

Bützow Zertrümmerte Grabsteine, Nazi-Symbole auf Gedenktafeln: Die Schändung des Jüdischen Friedhofs in Bützow hat Entsetzen und Empörung ausgelöst. Am Sonnabend hatten Unbekannte Grabsteine demoliert und verschandelt (SVZ berichtete). "Das ist eines Menschen unwürdig", sagte Pastor Friedemann Preuß gestern. Eine "ohnmächtige Wut" habe ihn erfasst, als er davon hörte. "Es ist Ausdruck von Menschenverachtung und keinerlei Ehrfurcht vor den Toten", so Preuß. Er vermutet bei der Tat einen Zusammenhang zu den bevorstehenden Wahlen. "Entsetzen" und "Betroffenheit" sind Worte, die Pastorin Antje Brandner zum Vorfall spontan über die Lippen gehen. Die Kirchgemeinde betreut den Jüdischen Friedhof mit. Am Donnerstag gibt es nun einen Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde in Rostock und dem Landesrabbiner. Um den Friedhof wieder herzurichten, ist Geld nötig. "Ich werde den Vorschlag machen, die Stadt zu fragen, sich an den Reparaturen zu beteiligen", so Friedemann Preuß, der auch Vorsteher der Stadtvertreter ist. Von einem moralischen Schaden und Ansehensverlust für die Stadt Bützow spricht Stadträtin Gabriele Behning. "Ich finde das ganz schlimm. Ich dachte, dass wir in den letzten Jahren genug für Prävention getan haben", sagt sie. "Die Stadt Bützow ist auch daran interessiert, dass der Friedhof erhalten bleibt", so Behning. Inwieweit finanzielle Hilfe möglich ist, darüber hätten die Stadtvertreter zu entscheiden. Das Geld müsse dann woanders eingespart werden. Betroffen ist auch Wolfgang Severin-Iben. "Ich war wie vor den Kopf geschlagen", sagt der Bützower Künstler, der eine besondere Beziehung zum Jüdischen Friedhof und der Geschichte von Juden in Bützow hat. Den Tätern attestiert Severin-Iben völliges geschichtliches Unwissen. Denn zur NS-Zeit habe es gar keine Beerdigungen in Bützow mehr gegeben. Der Jüdische Friedhof sei etwa vom Ende des 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt worden. Bereits vor etwa fünf Jahren habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben, so der Bützower. Seither fehle eine Tafel, die an die frühere Jüdische Gemeinde in Bützow erinnerte. Experten des Landeskriminalamtes untersuchen derzeit u.a. die Farbe, mit der die Grabsteine geschändet wurden, erklärt Polizeisprecherin Yvonne Burand. "Der Fall wird möglicherweise zugeordnet zu anderen, die sich in und um Schwerin ereignet haben", so Burand. Über einen längeren Zeitraum habe die Polizei mehrfach Schändungen von vor allem jüdischen Friedhöfen beobachten müssen. Innenminister Gottfried Timm (SPD) ließ extra eine Experten-Gruppe ins Leben rufen. Burand zu den Fällen: "Es gibt bestimmte Gleichnisse." Auch die Bützower Polizei habe sich nach dem Anschlag auf dem Friedhof neu formiert. Verstärkt werde es dort zu Streifen kommen.

Schweriner Volkszeitung-Bützow

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