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15.10.2003
Das Dorf Jamel - ein rechtsfreier Raum? - Polizeichef Tauchel: "Wir brauchen ein Bündnis"
Schwerin Jamel - ein kleines Dorf zwischen Wismar und Grevesmühlen. Häuser gehen in Flammen auf, Einwohner werden bedroht und vertrieben. Bürgermeister Fritz Kalf berichtete in unserer gestrigen Ausgabe, dass er ratlos mit ansehen muss, wie Hass und Gewalt regieren. Ausgangspunkt soll der rechtsextreme Freundeskreis einer Familie im Dorf sein. Allein, sagt der Leiter der Polizeidirektion Schwerin Ulrich Tauchel, kann die Polizei die Straftaten nicht unterbinden.
Frage: Herr Tauchel, ist Jamel ein rechtsfreier Raum?
Tauchel: Nein, die Straftaten werden von uns verfolgt. Zurzeit laufen mehrere Ermittlungsverfahren. Einige stehen vor dem Abschluss, wir haben auch Tatverdächtige.
Frage: Was sind das konkret für Verfahren?
Tauchel: Wir führen zu Jamel zwei Verfahren wegen Brandstiftung, vier Verfahren wegen Diebstahls, ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen der Bildung bewaffneter Gruppen durch.
Frage: Was ist Gegenstand des zuletzt genannten Verfahrens?
Tauchel: Dabei geht es um Wehrsportübungen. Ein Geländewagen, Luftdruckwaffen sowie Schreckschusspistolen wurden unter anderem beschlagnahmt. Mehr kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen zurzeit dazu noch nicht sagen. Die Untersuchungen des Staatsschutzes dauern noch an.
Frage: Seit 1992 gibt es dort Vorfälle. Warum konnten Straftaten in diesem Ausmaß bis heute dort nicht unterbunden werden?
Tauchel: Der Ort ist abgelegen und die Täter kommen häufig von außerhalb, was unsere Arbeit nicht leichter macht. Die Polizei verfolgt zwar alle bekanntgewordenen Delikte. Aber sie allein kann die Taten nicht im Vorfeld unterbinden. Dazu müssten wir im günstigsten Fall 24 Stunden am Tag vor Ort sein. Dies ist nicht realisierbar. Wir brauchen weitergehende Lösungen.
Frage: Welche?
Tauchel: Wir brauchen ein Bündnis zwischen den Bürgern dort, der Verwaltung und der Polizei. Zwischen dem Bürgermeister und der Polizeiführung wird es in den kommenden Tagen einen Ortstermin geben, um über Maßnahmen zu sprechen. Bei den täglichen Streifen wird die Polizei außerdem stärker als bisher die Bürger ansprechen. Wir hoffen auf deren Mitarbeit.
Interview: Thomas Volgmann
Schweriner Volkszeitung
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