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10.10.2003
Rechte Szene attackiert Privatbriefkästen - Aufkleber rufen zu Gewalt auf
Als gezielte Einschüchterung junger Demokraten bewerten Betroffene die jüngste Attacke der hiesigen rechten Szene. Private Briefkästen wurden mit aggressiven Aufklebern verunziert.
Wolgast. "Zerschlagt die Antifa" leuchtete es in schwarzer Schrift auf gelbem Untergrund am Mittwochmorgen auf mehreren privaten Briefkästen Wolgaster junger Leute. So wie Lars Bergemann, Stadtvertreter und stellvertretender PDS-Kreis-Chef, ereilte weitere demokratisch gesinnte Jugendliche der Stadt - Mitglieder der Jugendgruppe bei den Linkssozialisten sowie des Jugendparlamentes der Stadt - diese Attacke offensichtlich rechts gerichteter Leute, die auf dem zehn mal 20 Zentimeter großen Aufkleber mit "Kämpfende Einheit Wilhelm Karpenstein" ihre nationalsozialistische Gesinnung preisgaben. Während zumeist Briefkästen in Wohnhäusern beklebt worden waren, traf es in einem Fall auch die Scheibe eines privaten Pkw.
Da in der bildhaften Darstellung eine mächtige Faust das Logo der Wolgaster Jugendgruppe bei der PDS sprengt, ist die Botschaft der Absender klar. "Natürlich sind wir sehr betroffen, zumal dieser Angriff erstmals auch ganz gezielt auf einzelne Personen geführt worden ist. Aber wir lassen uns, was die politische Arbeit und unsere Gesinnung sowie gemeinsame Aktivitäten gegen Rechts betrifft, davon nicht einschüchtern", sagte Lars Bergemann gestern auf Anfrage unserer Zeitung.
Man habe alles dokumentiert und dem örtlichen Polizeirevier übergeben. Außerdem sei die in Anklam ansässige "Mobile Aufklärungseinheit Extremismus" (MAEX) detailliert über diesen "Aufruf zur Gewalt" informiert worden, hieß es weiter. Laut Bergemann habe es bei der Staatsanwaltschaft unterschiedliche Meinungen über die strafrechtliche Relevanz des Vorganges gegeben. Er vermutet, dass die demokratischen Aktivitäten der Betroffenen dem "rechten Mob" ein Dorn im Auge sind. Gerade deshalb werde man aber gezielt weiter aufklären und das öffentliche Bewusstsein zu den latenten Gefahren von Rechts wach halten.
Hinter dem erstmals bei einer solchen Aktion aufgetauchten Namen Wilhelm Karpenstein verbirgt sich die Person eines Greifswalder Rechtsanwaltes, der Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts Gauleiter Pommerns war, bei Stettin sogar ein eigenes KZ errichtet hatte und deshalb seinerzeit starfrechtlich belangt wurde.
STEFFEN ADLER
Ostseezeitung-Wolgast
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