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08.10.2003
Unbekannte schüchtern Dorfbewohner ein - Gägelows Bürgermeister Fritz Kalf giftet gegen Polizei

In Jamel (Gemeinde Gägelow) geht schon wieder die Angst um. Unbekannte haben in der Nacht vom vergangenen Donnerstag zum Freitag ein Haus in Brand gesetzt (OZ berichtete).

Jamel. In Jamel trauen sich die wenigsten, über die Zustände im Dorf öffentlich zu reden. Zu tief sitzt noch den meisten Dorfbewohnern der Schock vom vergangenen Freitag in den Gliedern. Unbekannte haben zum wiederholten Male einen Anschlag auf das Haus in der Forststraße 10 verübt und es in Brand gesetzt. Glücklicherweise war das Gebäude, das sich im Umbau befindet, leer. Keine Person kam deshalb zu Schaden. Dennoch wurde die Einrichtung der neuen Hausbesitzer durch das Feuer vollständig vernichtet. Ob die Familie angesichts des neuerlichen Anschlags jemals in das Haus einziehen wird, ist fraglich. Und ob sich in Jamel überhaupt noch jemand niederlässt, steht auch in den Sternen. Denn Unbekannte haben den Bereich vor dem Haus in der Forststraße 10 zum "Millitärischen Sicherheitsbereich" erklärt. "Unbefugtes Betreten verboten! Vorsicht! Schusswaffengebrauch! Der Kommandant" steht auf einem der beiden weißen Schilder, die an zwei Masten befestigt sind. Hiervon will bis gestern der Schweriner Kriminalhauptkommissar Detlef Schmidt, der in Jamel die Ermittlungen leitet, keine Kenntnis gehabt haben. "Das ist ein Fall für den Staatsschutz", meinte er gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Zum Brandanschlag am vergangenen Freitag wollte sich der Kriminalist aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht weiter äußern. "Wir ermitteln in alle Richtungen", bestätigte er lediglich.

Gägelows Bürgermeister Fritz Kalf (SPD) ist empört, dass die Polizei immer noch im Dunkeln tappt. Er ist davon überzeugt, dass die Täter aus dem Kreis kommen, die bereits am 20. April 1992 auf das Haus in der Forststraße 10 einen Anschlag verübt hatten. Damals war der Bürgermeister, bewaffnet mit einem Gewehr, der Familie G. zur Hilfe geeilt, als Rechtsradikale vor dem Haus "Hitlers Geburtstag" feierten und das Gebäude mit Steinen und Bierdosen bewarfen (OZ berichtete). Vier Jahre später hatte die Familie G. die Konsequenzen gezogen und das Haus aus Angst vor weiteren Anschlägen in Richtung Lübeck verlassen.

Nachdem das Gebäude leer stand und es am 10. August 1996 zur ersten Brandstiftung kam, kaufte die Gemeinde Gägelow die Brandruine auf. Ein paar Jahre später erwarb ein junges Paar das Haus, das dann auch sogleich mit der Instandsetzung begann. "Aber auch es gab den Kampf bald auf", berichtet Fritz Kalf. Im Frühjahr dieses Jahres ersteigerte eine bisher in Hamburg lebende Familie das besagte Haus und begann ebenfalls mit der Instandsetzung. "Sie wurde mit der am Haus prangenden Begrüßung empfangen: ,Verpisst Euch!'. Offensichtlich nahm sie diese Warnung nicht ernst. Den Brand vom 3. Oktober, der die gesamte Inneneinrichtung vernichtete, werden sie wohl ernst nehmen", meint Kalf schon fast resignierend.

PETER PREUSS

Ostseezeitung

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