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24.09.2003
Prozess gegen NPD-Mitglied: Opfer ging aus Angst nicht zur Polizei
Greifswald. "Daran kann ich mich nicht erinnern"; "Dazu kann ich nichts sagen"; "Ich weiß nicht, was geschehen ist." Diese Standardformulierungen aus dem Prozess gegen Maik Spiegelmacher zeigen die Haltung von Zeugen, Angeklagten und des Opfers. Die gleiche Einstellung legten offenbar auch Familienmitglieder von Roland B. (Name geändert) an den Tag, als dieser in einer Märznacht dieses Jahres von Maik Spiegelmacher am Genick gepackt und quer über die Straße gewaltsam in seine Wohnung geschleppt wurde. Anschließend misshandelte Spiegelmacher mit drei Kumpanen, darunter zwei Frauen, Roland B. schwer.
Interessant für den Prozessbeobachter ist die Stimmungslage um die Verhandlung. Denn hier drehte es sich nicht nur um die Verurteilung von Gewalt. Hans-Günter Eisenecker, der Verteidiger des Greifswalder NDP-Mitglieds Spiegelmacher, brachte es im Plädoyer auf den Punkt: Mit dem Urteil sei die politische Karriere seines Mandanten vorerst beendet. Die Chance, mit Wegfall der Fünf-Prozent-Hürde eventuell in die Bürgerschaft gewählt zu werden, bestehe nicht mehr. Schon habe er Stimmen gehört, die von Maik Spiegelmacher den Austritt aus der NPD verlangten. Seine politischen Ämter hat er bereits niedergelegt. Die politische Brisanz dieses Prozesses und die große Polizeipräsenz werden in diesem Zusammenhang verständlich.
Das Prinzip "Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen", das im Dunstkreis vom Maik Spiegelmacher üblich scheint, wurde nur von einer couragierten Frau durchbrochen. Nicht das Opfer ging zur Polizei, sondern eine Verwandte, die den geschundenen Mann vor ihrer Tür fand. Die Brüder von Roland B. hingegen hatten dem Kidnappern am Abend der brutalen Nacht nichts entgegen gesetzt. Sie riefen auch nicht die Polizei.
Der brutale Schläger Maik Spiegelmacher appellierte zum Prozessende an menschliche Gefühle. "Ich möchte nur ungern länger von meinen beiden kleinen Kindern getrennt sein", sagte er. Jetzt kommt er für drei Jahre in Haft.
KIRSTEN SCHIELKE
Ostseezeitung-Greifswald
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