|
23.09.2003
Stiftung bittet um Geld aus Anklam - "Zentrum gegen Vertreibungen" möchte fünf Cent pro Einwohner für Gedenkstätte in Berlin
Anklam (as). Das bundesweit agierende "Zentrum gegen Vertreibungen - Stiftung der Deutschen Heimatvertriebenen Berlin" hat sich an die Stadt Anklam gewandt, damit diese ihr eine finanzielle Unterstützung für die geplante zentrale Gedenkstätte in Berlin zukommen lässt.
In dem Schreiben, das von der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach (CDU), und dem früheren SPD-Politiker Peter Glotz als Vorsitzende der Stiftung unterzeichnet ist, heißt es: "Mehr als 15 Millionen Deutsche und viele andere Völker waren im 20. Jahrhundert Opfer ethnisch begründeter Austreibungen. Diese Menschenrechtsverletzungen an Schuldlosen sind im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent. An keinem Ort ist ein Gesamtüberblick zu diesen europäischen Tragödien vorhanden. Durch unsere gemeinnützige Stiftung werden wir das ändern!"
"Sehr umstrittenes Thema"
Mehr als 400 Städte und Gemeinden Deutschlands seien bereits Paten der Stiftung. Jede Gemeinde, die sich mit fünf Cent pro Einwohner beteilige, werde im "Internet-Patenbuch aufgenommen und erhält eine Patentafel im Zentrum gegen Vertreibungen".
Für Anklam bedeutet das eine Summe von etwa 750 Euro. Die Abgeordneten des Anklamer Kulturausschusses waren etwas unsicher, wie mit dem Schreiben, das Bürgermeister Michael Galander (parteilos) ihnen zur Entscheidung überlassen hatte, umzugehen sei. "Man kriegt solche Briefe und weiß gar nicht, ob das seriös ist", meinte Wolfgang Krüger (CDU). Klaus Jahns (PDS) hingegen erinnerte daran, dass die zentrale Gedenkstätte ein "sehr umstrittenes Thema" sei. Vielleicht sollte man als Stadt höflich antworten, dass man eine gesamteuropäische Lösung bevorzuge. Nur wenn die Vertreibung aus diesem Blickwinkel aufgearbeitet werde, könne man das Projekt unterstützen, sagte er. Gleichzeitig schlug er vor, an den örtlichen BdV-Vorsitzenden Manfred Schukat (CDU) heranzutreten, um eine Lösung zu finden.
Schukat sprach sich gestern auf Nachfrage für ein finanzielles Engagement der Stadt in Sachen "Zentrum gegen Vertreibungen" aus. In Anklam und Umgebung seien nach 1945 "Zigtausende Vertriebene" heimisch geworden. Das Schicksal dieser Menschen müsse aufgearbeitet werden. Im Streit um die Errichtung eines solchen Zentrums gegen Vertreibungen hatte zuletzt Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) insbesondere den Standort Berlin abgelehnt. Mit einem solchen Zentrum liefe man Gefahr, das Unrecht, das Deutschen widerfahren sei, in den Vordergrund der Debatte über Vertreibung zu stellen. Eine europäische Debatte wäre angemessener, meinte er.
Nordkurier-Anklam
|