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18.09.2003
"Die waren wie Tiere und hätten ihn erschlagen" - Fest in Ueckermünde endet mit Gewalt

Ueckermünde (wil). Ralf Schmidt wird die Nacht zum Sonntag wohl nie vergessen. Die Sekunden, als er am Rande des Vereinsfestes in Ueckermünde zu Boden gerissen wurde, als er gewürgt und von mehreren Männern mit Füßen getreten wurde. "Ich habe zum Schluss nichts mehr mitbekommen", erinnert sich der 46-Jährige, der schwer gezeichnet ist.

"Wären wir nicht dazwischen gegangen, hätten sie ihn erschlagen. Die waren wie Tiere", sagte Jens Stachowsky, ein Freund von Schmidt. Einen Eindruck, den Andreas Radtke bestätigt. Mit "die" sind Biker aus Torgelow gemeint. Radtke ist der Chef der Firma Eggesiner Dienstleistungen und Sicherheitsdienste (EDS), die an dem Abend als Wachschutzunternehmen engagiert worden war. Stachowsky und Schmidt arbeiten für die EDS - letzterer war an dem Abend aber als Gast auf der Veranstaltung.

Immer wieder provoziert

Ab 19 Uhr war die EDS engagiert worden. Doch als Radtke und Stachowsky auf dem Platz neben der Feuerwehr ankamen, schwante ihnen schon Schlimmes. 30 bis 40 Vertreter der rechten Szene saßen bereits in dem Festzelt - zu erkennen an Bomberjacken, Springerstiefeln und verfassungsfeindlichen Symbolen. Normalerweise würden alle Gäste beim Einlass auf Messer und andere Waffen kontrolliert, doch das sei dann nicht mehr möglich gewesen, sagt Radtke.

Von Anfang seien die Ordner provoziert worden, insbesondere von Ronny H. aus Ueckermünde, der als Kopf der rechten Szene in der Haffstadt gelte, so Radtke. Als er merkte, dass die Stimmung immer brisanter wurde, stockte Radtke seine Truppe auf acht Mann auf. Gegen 23.30 Uhr rief er bei der Polizei an, die kurz danach später mit sechs Beamten vor Ort war. Fast zur gleichen Zeit trafen die Biker aus Torgelow ein, die laut Radtke und Stachowsky von den Rechten gerufen worden waren.

Ab diesem Zeitpunkt "konnte man die Anspannung nur so riechen", sagte Marcin Mtynarski, ein weiterer EDS-Ordner. Als Ralf Schmidt mit dem Anführer der Biker sprechen wollte, eskalierte die Situation. Schmidt wurde zu Boden gerissen. Aus Sicht der Leute von EDS habe die Polizei viel zu passiv reagiert. "Die Polizisten standen an ihren Fahrzeugen und unterhielten sich", sagte Stachowsky. Letztlich mussten die EDS-Ordner den eigenen Mann befreien.

Erst als Ronny H. aus Versehen mit einer Bank einen seiner eigenen Leute getroffen habe, sei ein Beamter eingeschritten. Dagegen habe die Polizei Mtynarski als einen der Schuldigen der Situation ausgemacht und auf den Aldi-Parkplatz gebracht.

Indes weist der Leiter des Polizeireviers Ueckermünde, André Chappuzeau, die Kritik an seinen Polizisten vehement zurück. "Auf keinen Fall haben sie nur zugesehen. Die Polizei hat sich nicht passiv verhalten", sagte Chappuzeau. So sei die Lage noch ruhig gewesen als die Beamten vor Ort eintrafen. Später seien weitere Polizisten hinzugezogen worden. Er werde die Vorgänge aber persönlich aufklären, versprach er.

Die Kripo bearbeitet jetzt zwei Verfahren, da sich die rivalisierenden Gruppen gegenseitig wegen Körperverletzung beziehungsweise Bedrohung angezeigt haben.

Nordkurier-Ueckermünde

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