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10.09.2003
Provinzgezänk ums Geld - Gemeinde Wöbbelin will KZ-Gedenkstätte wegen fehlender Mittel von Kreis und Land schließen

Die Schweriner Volkszeitung meldete Ende August in ihrem Ludwigsluster Lokalteil, die Gemeinde Wöbbelin wolle die KZ-Gedenkstätte des Ortes schließen. Bürgermeister Heinz Haufschild wurde mit den Worten zitiert: "Es fällt immer schwerer, die Gemeindeaufgaben zu erfüllen. Für die Gedenkstätten haben wir in diesem Jahr allein über 8000 Euro mehr ausgeben müssen, weil das Land seine Zuwendungen um diese Summe gekürzt hat."

Bei näherem Hinsehen stellt sich indes heraus, daß Ursache für die versiegenden Landesmittel weniger der Unwille der Schweriner Regierung als der von Lokalgrößen zu sein scheint. Bereits im Jahr 2001 hatte der Landkreis Ludwigslust beschlossen, einen Trägerverein für die sieben Mahn- und Gedenkstätten des Landes zu installieren, über den die Mittel von Land und Kreis fließen sollten. Die Bildung des Vereins, so Dietmar Giersberg vom Landratsamt am Dienstag gegenüber jW, sei jedoch bislang daran gescheitert, daß die Gemeinde Wöbbelin ihm bis heute nicht beigetreten ist. Die Wöbbeliner Gedenkstätte ist mit Abstand die größte im Kreis.

Heike Neitzert, Sprecherin des Kultusministeriums in Schwerin, erklärte, das Land habe bereits 26000 Euro für den zu gründenden Förderverein bewilligt. Da dieser jedoch aufgrund seiner Unvollständigkeit noch nicht empfangsberechtigt sei, werde der Bewilligungsbescheid derzeit auf den Landkreis übertragen, so Neitzert am Dienstag im Gespräch mit jW. Die Mittel sind zum größten Teil für die Wöbbeliner Einrichtung bestimmt.

Gerd Franke, stellvertretender Bürgermeister von Wöbbelin, bestätigte gegenüber jW, daß die Gemeinde dem Förderverein noch nicht beigetreten ist, war aber nicht bereit, Gründe dafür zu benennen. Den Beschluß zur Schließung der Gedenkstätte werde man erst aufheben, wenn man "schwarz auf weiß" die Bestätigung habe, daß Landkreis und Land die Kosten für die Gedenkstätte in gleicher Höhe wie 2002 übernehmen. Franke zufolge werden sich die Gemeindevertreter am 29.September erneut mit diesem Thema befassen.

Nach Ansicht von Mitgliedern des Fachbeirates der Wöbbeliner Gedenkstätte hat jedoch auch der Landkreis eine Aktie an der verfahrenen Situation. Denn von dort kam bis zum August keine verbindliche Auskunft, in welcher Höhe der Kreis die Gedenkstättenarbeit im laufenden Jahr finanzieren wird.

Unabhängig davon mutet die Haltung der Gemeindevertreter befremdlich an, war doch die Gedenkstätte erst im Februar 2002 Opfer einer besonders perfiden Schändung geworden. Die Täter, die bis heute nicht gefaßt wurden, hatten auf das Sandsteinrelief des Künstlers Jo Jastram mit roter Farbe ein riesiges Hakenkreuz geschmiert und in eine Feuerschale daneben einen abgetrennten Schweinekopf gelegt.

Auch vor dem Hintergrund, daß manch "national gesinnter Mensch" nicht an tote KZ-Häftlinge erinnert werden möchte, wenn er die auf dem gleichen Gelände befindlichen Gedenkstätte für den patriotischen Dichter Theodor Körner besucht, wirkt die Entscheidung der Gemeindevertreter wie ein Signal in die falsche Richtung. Körner war 1813 in den napoleonischen Befreiungskriegen ums Leben gekommen. Auf dem Gelände des Wöbbeliner Körner-Parks befinden sich auch die Grabstätten von 60 Opfern der Faschisten. Wöbbelin war eines von 90 Außenlagern des KZ Neuengamme. Es existierte nur vom 12. Februar bis zum 2. Mai 1945. Mehr als 1000 Häftlinge starben hier.

Jana Frielinghaus

junge Welt

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