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07.09.2002
Anklamer ignorieren rechte Parolen bei NPD-Kundgebung - Politiker von CDU, SPD, PDS und FDP halten bei Plakataktion zusammen
Anklam (as). Als gestern Nachmittag eine Handvoll NPD-Anhänger gemeinsam mit ihrem Bundesvorsitzenden Udo Voigt ihre Parolen auf dem Anklamer Marktplatz verbreiteten, interessierte das keinen einzigen Lilienthal-Städter. Der Redner sprach in ein Mikrofon, vor dem sich niemand versammelt hatte. Nur am Brunnen lungerten etwa zehn kahlgeschorene junge Männer herum. Die Polizei sicherte glücklicherweise umsonst - nirgendwo Ausschreitungen, auch keine Gegendemo ließ sich blicken. Dies ist Teil einer neuen Strategie des Anklamer Bündnisses "Bunt statt Braun" gemeinsam mit der CDU, SPD, PDS und FDP. "Noch nicht einmal ignorieren", brachte es gestern FDP-Landtagskandidat Bernd Lange während einer Pressekonferenz, die parallel zur NPD-Veranstaltung im Rathaus stattfand, auf den Punkt. Dabei in einmütiger Runde: seine Konkurrenten um das Landtagsmandat Uwe Schultz (SPD), Bernd Schubert (CDU), Jürgen Stanschus (für die PDS), Bürgermeister Michael Galander sowie Piet Oltmanns und Günther Hoffmann vom Bündnis "Bunt statt Braun". Alle Politiker hatten ihre Wahlplakate gestern für eine Aktion zur Verfügung gestellt: Die Gesichter und Parteien waren verdeckt, stattdessen war zu lesen: "106 Tote durch rechtsradikale Gewalttaten seit der Wende".
Alle Politiker zeigten sich gestern froh, dass sie trotz ihrer Streits bei kommunalen Sachthemen in punkto Rechtsradikalismus zusammenhalten können. "Wir tun uns zusammen, um klarzustellen, dass eine faschistische Partei wie die NPD keine normale Partei ist, auch wenn sie gern den Anschein erwecken möchte", sagte Günther Hoffmann.
Stanschus meinte, dass die Einigkeit der ostvorpommerschen Politik gegen Rechts beispielgebend für ganz Deutschland sein sollte. Schubert und Lange versicherten, dass sie gegen jede Art von Extremismus und Gewalt seien - egal, ob von rechts oder links. Schultz betonte, dass Ignorieren nur bei solchen Demonstrationen das geeignete Mittel sei. Ansonsten sei Prävention wichtig. Hier habe das Bündnis "Bunt statt Braun" neue Möglichkeiten, betonte Hoffmann. Eine Festanstellung über staatliche Förderung ermögliche nun mehr Bildungs- und auch Kulturveranstaltungen.
Nordkurier-Anklam
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