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11.09.2003
Helfer in der Fremde - Abenteuer Alltag: Der Chef des Asylbewerberheimes Heinz Kargelmacher

Was macht den Alltag zum Abenteuer? Dieser Frage geht eine neue OZ-Porträtserie nach. In loser Folge stellen wir Frauen und Männer in ihrer Arbeitswelt vor. Aber auch Erlebnissen bei der ehrenamtlichen Tätigkeit oder in der Freizeit sind wir auf der Spur.

Sassnitz. Die Augen von Heinz Kargelmacher drücken Nachsicht und Verständnis aus. Verständnis. Verstehen. Ohne das geht bei ihm im Job gar nichts. Der Heimleiter des Asylbewerberheims in Staphel arbeitet täglich von 9 bis 21 Uhr mit Menschen zusammen, die für etwa ein Dutzend Nationalitäten stehen. Kulturen, die aufeinanderstoßen. "Ich kann einem aus Sri Lanka keinen Schweinebraten anbieten", sagt er. Oder einen Kurden mit einem Türken zusammen in eine der Vier-Raum-Wohnungen einweisen.

Ohne seine Erfahrung, die er seit 1993 als Leiter von Asylbewerberheimen sammeln konnte, und ohne die Teamarbeit mit seinen beiden Kollegen Torsten Rupp und Olaf Groth würde die Betreuung nicht funktionieren, davon ist Kargelmacher überzeugt. Er ist bei dem privatwirtschaftlichen Unternehmen European Homecare angestellt, das vom Landkreis beauftragt wird, die tägliche Betreuung zu gewährleisten. Nachts kommt eine Wachmannschaft einer anderen Firma. Die Kameras, die die Zugänge des Häuserblocks filmen, laufen Tag und Nacht.

Kargelmacher winkt beruhigend ab: "Die Rechtsradikalen sind inzwischen zu alt, und die Bewohner des Ortes hier haben sich an die Ausländer gewöhnt." Mehr noch: Wenn sie wegziehen, spendeten viele den Asylbewerbern ihre ausrangierten Möbel. Denn die Vier-Raum-Wohnungen verfügen serienmäßig nur über eine Grundausstattung.

"Wer zu wem passt, das merken wir schon bei der Einweisung an den Namen auf der Liste", erklärt er, "Sing passt zum Beispiel immer zu Sing." Er lacht und zündet sich eine Zigarette an.

Zu seiner täglichen Arbeit gehört auch, den unterschiedlichen Kulturen deutsche Grenzen zu zeigen. "Bei manchen in der Wohnung sieht es wirklich schlimm aus", weiß er zu berichten. "Zur Not holen wir dann einen kostenpflichtigen Reinigungsdienst."

In seinem Büro stehen ein Schreibtisch gegenüber der Tür und eine Wohnzimmergarnitur. Das wirkt gemütlich, und hier empfangen Kargelmacher und seine beiden Kollegen die Asylbewerber, die Hilfe brauchen. Bei Behördengängen, einem Arztbesuch oder bei der Bedienung der gemeinschaftlichen Waschmaschinen. Oder einer der 17 Schüler, die derzeit im Asylbewerberheim leben, ist mit den Hausaufgaben überfordert. Aber: "Ein Deutschkurs wird hier nicht angeboten", sagt der Heimleiter und erklärt: "Die Kinder lernen die Sprache im Handumdrehen, und der Großteil der Erwachsenen ist gar nicht interessiert." Aber das sei ja bei den Deutschen genauso.

Das Heim ist keinesfalls nur kurzfristige Durchgangsstation. Bis der Asylbewerberantrag bearbeitet und die Revision durch sei, könnten Jahre vergehen, und der Großteil der Bewerber würde wieder abgeschoben. Aber im Heim geht das Leben weiter. Die Jungen spielen im örtlichen Fußballverein, im Sommer geht's zum Strand. Mischehen mit Rüganern sind nicht selten.

SANDRA PIXBERG

Ostseezeitung

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