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08.09.2003
Ausstellung zur Wehrmacht findet große Resonanz - Störversuch der rechten Szene scheitert
Von unserem Redaktionsmitglied Anke Brauns
Peenemünde. Nur eine Stunde, nachdem gestern Abend die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" in Peenemünde die Türen endgültig für Besucher geschlossen hatte, begann der Abbau. Schließlich soll sie nächsten Donnerstag schon in Dortmund eröffnet werden. Dabei hätte Dirk Zache, Leiter des Historisch-Technischen Informationszentrums (HTI), die Ausstellung gern noch länger gezeigt, denn mit rund 39 000 Besuchern war die Resonanz "ausgesprochen erstaunlich. Damit hat keiner gerechnet", sagte er gestern.
Zum Vergleich: In Berlin sahen vor knapp zwei Jahren etwa 50 000 Menschen die Dokumentation. Nicht nur das Museum sei damit sehr zufrieden, auch das Hamburger Institut für Sozialforschung als Veranstalter habe Peenemünde als "hervorragenden Ausstellungsort" gewürdigt. "Mit dieser Ausstellung konnten wir unsere Position in der nationalen Museums-Landschaft festigen", meinte Dirk Zache. "Deutlich wurde auch die Eignung Peenemündes als außerschulischer Lernort für die NS-Zeit", betonte der Museumschef. Obwohl die Hälfte der Ausstellungszeit in die Ferien fiel, haben nach seinen Angaben viele Schulklassen die Ausstellung besucht und über das Thema diskutiert. Gefreut habe er sich ebenfalls über die zahlreichen Bundeswehr-Gruppen.
Indes ist am Sonnabend ein Versuch der rechten Szene gescheitert, die Ausstellung zu stören. Laut Polizei hatten sich gegen 14 Uhr an einem genehmigten Info-Stand der NPD etwa 60 Rechte versammelt, 20 von ihnen setzten sich vor den Eingang des Museums und blockierten ihn. In Absprache mit dem HTI wurde ein Nebeneingang für die Besucher geöffnet. Dadurch sei die Blockade wirkungslos geworden und die Blockierer haben gegen 15.30 Uhr aufgegeben.
Nordkurier-Anklam
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08.09.2003
"Aufrüttelnd, grausam, schockierend" - Ausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht schloss gestern - Fast 39 000 Besucher
Mit einem Dankeschön-Abend für alle Beteiligten ist gestern die Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht geschlossen worden. Annähernd 39 000 Besucher kamen dazu ins Kraftwerk.
Peenemünde Die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944" hat gestern ihre Pforten in Peenemünde geschlossen. Bevor am Abend die Übergabe an Vertreter des Hamburger Instituts für Sozialforschung erfolgte und die Verladung erster Tafeln in Container anlief, sprach OZ mit dem Chef des Peenemünder Museums, Dirk Zache.
OSTSEE-ZEITUNG: Mit welchem Resümee endet diese bedeutsame Exposition für Sie?
Dirk Zache: Die riesengroße Resonanz auf die Ausstellung hat alle Erwartungen übertroffen. Obwohl die exakte Zahl noch nicht feststeht, bewegen wir uns in Richtung 39 000 Besucher. Damit haben wir etwa vier Mal so viele Gäste gezählt wie zuletzt Neumünster bzw. Schwäbisch Hall. Und wir hatten mehr Besucher als Städte wie Chemnitz und Wien, die ebenfalls die Exposition zeigten. Dieses Interesse hatten weder wir vom HTI in Peenemünde noch die Hamburger Kollegen für unsere "Ausstellungsprovinz" erwartet.
OZ: Wie fällt Ihr Fazit zum Inhalt und seiner Rezeption durch das Publikum aus?
Zache: Peenemünde war der richtige Ausstellungsort, vor allem aufgrund seiner Authentizität. Schließlich war seinerzeit hier das größte Rüstungsprojekt der Wehrmacht aus dem Boden gestampft worden. Für mich, wie übrigens für sehr viele Besucher, war die Auswstellung ausgezeichnet recherchiert und verkörpert eines der wichtigsten Dokumente zum Thema, die ich je gesehen habe.
OZ: Man liest im Gästebuch mehrfach den eindringlichen Wunsch, ja die Forderung, dass eine ähnliche Darstellung auch von den anderen beteiligten Seiten am Krieg gezeigt werden sollte ...
Zache: Das stimmt, aber das ist Sache der anderen Nationen. Ich denke aber, wir sind schon mitten in jenem Prozess, der eine gemeinsame, europäische Erinnerungskultur entstehen lässt. Als ich kürzlich eine Ausstellung in Frankreich zum 1. Weltkrieg sah, wurde das schon sehr deutlich. Überdies ist die Vernetzung zwischen den verschiedensten Gedenkstätten schon voll im Gange.
OZ: Zu den aufmerksamen Besuchern der Ausstellung zählten erfreulich viele Schulklassen ...
Zache: Das ist richtig, wir hatten insgesamt rund 340 Führungen, davon 200 angemeldete. Und durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Schulbehörden und -räten waren darunter zahlreiche Schulklassen, aber auch viele Gruppen der Bundeswehr. Auch dies halte ich für bemerkenswert.
Zum Thema Führungen möchte ich auch noch unbedingt den 18 Studenten aus Greifswald, Berlin und Jena danken, die sie mit großem Engagement realisiert haben.
OZ: Was hat diese bemerkenswerte Ausstellung für Ihr Team und das HTI bzw. Peenemünde bewirkt?
Zache: Es gab einen richtigen Schub für uns alle. Insofern bin ich ein bisschen traurig, dass die Exposition jetzt Geschichte für uns ist. Sehr erfreulich war schließlich auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften, die auch noch am vorletzten Tag, als die rechte Szene den Eingangsbereich mit Info-Ständen etwas blockierte, das Problem routiniert und entschieden löste. Insgesamt verlief alles ohne größere Vorkommnisse.
STEFFEN ADLER
Ostseezeitung-Wolgast
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