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06.09.2003
Rechtsextreme treten wieder selbstbewusster auf - Experten sehen Gründe in Wolgaster Demo
Ostvorpommern (as). Die rechtsextreme Szene Ostvorpommerns sei in jüngster Zeit "sehr viel selbstbewusster" geworden, erklärte Günther Hoffmann vom Bündnis "Bunt statt Braun" jetzt am Rande einer Diskussion im Anklamer Theater. Im Straßenbild seien vermehrt rechte Symbole und Kleidung wahrzunehmen. Als Ursache nennt Hoffmann vor allem die Wolgaster Demonstration gegen die Wehrmachtsausstellung von Anfang August, die von der ostvorpommerschen Neonazi-Szene organisiert wurde und bei dieser als Erfolg gilt.
Dierk Borstel vom Berliner "Zentrum Demokratische Kultur" bestätigte Hoffmanns Auffassung. Der Diplom-Politologe beschäftigt sich seit Jahren mit der rechtsextremen Szene in der hiesigen Region und moderierte in dieser Woche eine Veranstaltung zum Thema "Rechtsextreme Propaganda" im Anklamer Theater. Dieses Thema sei in Ostvorpommern sehr aktuell. Rechte Aufkleber, Plakate, Symbole hinter Autoscheiben und an Kleidungsstücken seien allgegenwärtig, wenn auch für Laien nicht unbedingt als solche wahrnehmbar, weil die Rechten ganz bewusst Symbole verwenden, die sich Außenstehenden nicht sofort in ihrer wahren Bedeutung erschließen.
Aber die Szene lege Wert darauf, ihre Markierungen zu setzen. So finde man beispielsweise bei Klein Bünzow, Usedom oder Ducherow anstelle der mittlerweile üblichen Straßenkreuze germanische Todesrunen. Einen Tag nach dem Erscheinen eines AZ-Artikels über den Ducherower Jugendklub, wo man sich bemüht, die rechte Szene rauszuhalten, waren die Laternen der durchführenden Bundesstraße B 109 mit Nazi-Aufklebern gepflastert - in Blickrichtung zur Straße wohlgemerkt. Die Durchfahrenden sollten sehen, dass die Szene dort sehr wohl noch aktiv sei, ergänzte Hoffmann.
"National befreite Zonen"
Laut Borstel deuten viele Details darauf hin, dass die hiesige Szene nach einem Fahrplan aus dem Internet arbeite, der seit einigen Jahren den Weg zu so genannten "national befreiten Zonen" weise. Nach diesem Papier bemüht sich die Szene um breitere Akzeptanz in der Bevölkerung, um eine "Gegenmacht" in "Freiräumen" zu schaffen, "in denen wir faktisch die Macht ausüben", heißt es in dem Papier. Durch scheinbar unpolitisches und gemeinnütziges Handeln wolle man um Sympathie in der Bevölkerung werben.
Deshalb nehmen laut Einschätzung Borstels anders als in anderen Regionen Deutschlands hiesige rechte Propaganda-Blätter - so zum Beispiel der "Insel-Bote" - mittlerweile durchaus regionale Themen auf: so natürlich die aktuelle Suche nach einem neuen Standort für ein Asylbewerberheim in Ostvorpommern oder auch die hohe Arbeitslosigkeit der Region.
Nordkurier-Anklam
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