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03.09.2003
Neues Asylheim ruft Zorn von Anwohnern hervor - Malchow: Standortwahl heftig umstritten
Von unserem Redaktionsmitglied Lea Mock
Malchow. Für Aufregung und Verärgerung unter den Bewohnern der Thälmann-Siedlung sorgen die Pläne des Landkreises Müritz, das zentrale Asylbewerberheim mit 130 Plätzen in das ehemalige DRK-Heim nach Malchow zu verlegen (der Nordkurier berichtete). Denn die zukünftige Ausländer-Unterkunft ist nur durch einen schmalen Waldstreifen, dem ehemaligen Bahndamm der Munitionsfabrik, von der kleinen Siedlung aus den 30-er Jahren getrennt. "130 Asylbewerber kommen dann auf 33 Einheimische", schimpft Wolfgang Henkel, der in der Siedlung wohnt und dort eine Naturheilpraxis betreibt. Er sieht darin eine grobe Verzerrung der bevölkerungspolitischen Verhältnisse. Menschlicher Ärger für beide Seiten sei geradezu vorprogrammiert. Dem stimmt der Grünen-Stadtvertreter Olaf Tüngethal zu. Er ist dagegen, die Leute abzuschieben. "Die Kinder werden den Kontakt verlieren", befürchtet Tüngethal. Auch sieht er dort draußen im Wald ein Sicherheitsproblem für die Ausländer. Henkel wiederum ist auch sauer darüber, dass die Einwohner erst auf Nachfrage vom Bürgermeister Joachim Stein (Grüne) von dem zukünftigen Heim in ihrer Siedlung erfuhren. Laut Richtlinie des Landes-Innenministeriums für die soziale Betreuung der Bewohner von solchen Gemeinschaftsunterkünften von 2000 sollen Voraussetzungen "für nachbarschaftliche Beziehungen und gegenseitige Toleranz zwischen einheimischer Bevölkerung und Bewohnern" geschaffen werden. Henkel fragt nun, wo die für die Asylbewerber, die vier Kilometer von der Stadt entfernt untergebracht werden, herkommen sollen. Denn nur ein schmaler Pfad durch den Wald führt zur Stadt und zum nächsten Einkaufsmarkt. "Eine Busverbindung gibt es nicht", so der Naturheilpraktiker. Dies seien für ihn menschenunwürdige Bedingungen.
Die Begründung des Landkreises, dass die Lebensbedingungen der Asylbewerber verbessert werden sollen, hält er für vorgeschoben. Denn die Baracken gegenüber dem Bahnhof, in denen jetzt 65 Ausländern leben, seien EDEKA zugesprochen worden. Was auch der Bürgermeister bestätigt habe, so Henkel. Die Planung für ein neues Asylbewerberheim in Malchow geht schon seit geraumer Zeit. Wie auch aus anderen Quellen zu erfahren war, war erst ein Neubau auf einem Feld hinter der Aldi-Kaufhalle vorgesehen. "Was durch die Nähe zur Stadt und nicht inmitten eines Wohngebietes besser gewesen wäre", meint Henkel. Auch er kennt diese Pläne und kann nicht nachvollziehen, dass das Innenministerium dem Heim in der Thälmann-Siedlung zugestimmt haben soll. Schließlich besagt ihre eigene Richtlinie an die Mindestanforderungen an solche Gemeinschaftsunterkünfte aus dem Jahre 2001, dass "diese nur in oder im Anschluss von bebauten Ortsteilen eingerichtet werden sollen". Statt einer Dezentralisierung und Integration erfolge eine Zentralisierung und Ghettoisierung, so Henkel. "Das kann nicht gut gehen", warnt er.
Nordkurier-Waren
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03.09.2003
Kommentar: Ins Abseits geschoben
Ein leichtes Leben haben Asylbewerber bekanntlich nicht. Dass der Müritzkreis die Lebensbedingungen für die 65 Flüchtlinge aus aller Herren Länder in Malchow verbessern will, ist löblich. Schließlich ist auch im Kreishaushalt das Geld knapp. So muss man dort nach einer kostengünstigen Variante suchen. Eine eigene Liegenschaft wie das ehemalige DRK-Altenheim, zumal noch leer stehend, kommt da wie gerufen. So weit so gut. Doch in dem Fall allein nach betriebswirtschaftlichen Kriterien zu entscheiden, ist zu kurz gegriffen. Hier geht es nicht nur um Immobilien und Geld, sondern um Menschen. Zu dem auch noch um solche, die sich in einer fremden Kultur erst zurecht finden müssen. Die werden nun abgeschoben. Denn nicht anders kann man ihren vom Kreis gepriesenen Umzug mitten in den Wald nennen. Entweder, man ist dort gut zu Fuß oder erfindungsreich. Außerdem sorgen pure Natur und absolute Abgeschiedenheit irgendwie auch für Langeweile, nicht nur bei Ausländern. Und wenn dort draußen Hilfe gebraucht wird - in welcher Form auch immer - kann es dauern, bis sie kommt. Ob da nicht eines Tages mehr Kosten für Präventions- und Integrationsprogramme auf den Kreis zukommen? Wenn es um Fragen der Menschlichkeit und Sicherheit geht, dürfen nicht nur Zahlen zählen.
Lea Mock
Nordkurier-Waren
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