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02.09.2003
Sie grölten Naziparolen und schlugen gnadenlos zu

Hagenow (dpa) Zwei brutale Brüder und ihr skrupelloser Helfer. Im Suff demolierten sie die Gaststätte eines griechischen Ehepaares, schlugen den Wirt krankenhausreif. Seit gestern müssen sie sich vor dem Amtsgericht Hagenow verantworten.

Im Prozess um den Angriff auf das griechische Restaurant in Boizenburg (Kreis Ludwigslust) haben die Angeklagten jedoch jede rechtsradikale Motivation für die Tat bestritten. Er sei mit seinem Bruder vom Gastwirt verprügelt und aus dem Lokal geworfen worden, sagte einer der Angeklagten, 24 Jahre alt. Bei dem Überfall hatte er "Sieg Heil!" gegrölt.

"Nur aus Wut", behauptete er nun gestern zu Prozessbeginn. Zuvor habe ihm die Bedienung Alkohol verweigert. Bei der Rangelei sei auch eine Statue im Restaurant zu Bruch gegangen. In der Anklage war die Staatsanwaltschaft von einem rechtsradikalen Hintergrund der Tat, die sich im September 2001 ereignete, ausgegangen.

Ein 30 Jahre alter Mitangeklagter räumte ein, den Brüdern zu Hilfe gekommen zu sein. Er habe mit einer Holzlatte die Glasscheibe an der verschlossenen Eingangstür durchstoßen. Angeblich, weil er die Ursache des Streits aufklären wollte. Er will dabei niemanden verletzt haben. Er gehöre auch nicht der rechten Szene an, betonte der Mann. Der 24-Jährige sitzt derzeit wegen Körperverletzung in Haft. Er und sein 25-jähriger Bruder waren nach Angaben eines Polizeibeamten, der als Zeuge aussagte, dem Staatsschutz wegen rechtsextremistischer Vorkommnisse bekannt. Diese lägen aber mehrere Jahre zurück.

Der Gastwirt, der als Nebenkläger an dem Prozess teil nimmt, war durch die Holzlatte im Gesicht verletzt worden und musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden. Nase und Jochbein waren gebrochen worden. Seine Frau leidet den Angaben zufolge noch immer unter den psychischen Folgen der Tat. Beide haben inzwischen Deutschland verlassen und stehen nach eigenen Worten in Griechenland vor dem beruflichen Neuanfang. Dieser werde jedoch erschwert, weil der Geruchssinn des Gastwirtes und Kochs seit dem Vorfall nur noch eingeschränkt funktioniere.

Der heute 48 Jahre alte Gastwirt sagte als Zeuge aus, er habe die Eingangstür zugehalten, weil er befürchtete, die Männer würden wieder in die Gaststätte eindringen. Er habe die Brüder aus dem Lokal geworfen, weil sie seine Frau geschubst und beleidigt hätten. Die Angeklagten hätten im Verlauf der Schlägerei "Wir kriegen euch auch noch raus!" gerufen. "Das haben sie auch geschafft", erklärte der Nebenkläger verbittert. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

Ostseezeitung

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