|
07.09.2002
Länderübergreifende Zusammenarbeit - Innenminister will spezielle Ermittlungsgruppe gegen rechte Attacken
Grevesmühlen (ddp). Unbekannte haben in Grevesmühlen einen Gedenkstein auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof mit einem großen Hakenkreuz beschmiert. Angesichts der wiederholten Schändungen von Gedenkstätten und jüdischen Friedhöfen hat Innenminister Gottfried Timm (SPD) das Landeskriminalamt (LKA) beauftragt, eine spezielle Ermittlungsgruppe zur Aufklärung dieser Straftaten einzusetzen. Dabei soll es auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit mit Brandenburg geben. Die Tat in Grevesmühlen war in der Nacht zu Freitag von einer Polizeistreife entdeckt worden. Das Nazisymbol sei 55 Zentimeter groß und mit roter Farbe aufgesprüht worden. Die Täter hätten außerdem eine Holztafel mit einem Gedenktext umgestoßen und zwei Ziertannen abgesägt. Auch eine von der jüdische Gemeinde in Schwerin angebrachte Gedenktafel wurde zerstört. Der genaue Tatzeitpunkt war unklar. Timm rief die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf. Derartige Aktionen dienten besonders im Wahlkampf den rechtsextremistischen Parteien und sollten offenbar deren Stimmungsmache gegen Ausländer und Minderheiten unterstützen, sagte Timm. Die Polizei brauche hier die Hilfe der Bürger, um die Täter schneller zu fassen, betonte er. Vor dem Hintergrund des Anschlages auf das Museum des Todesmarsches im brandenburgischen Below/Wittstock werde es länderübergreifende Ermittlungen geben, kündigte Timm an. Dazu seien bereits Spezialisten des LKA in die Sonderkommission beim Polizeipräsidium Potsdam entsandt worden. Im Fall von Grevesmühlen ermittelt inzwischen der Staatsschutz der Kriminalpolizei. Zeugen wurden aufgerufen, sich zu melden. Der ehemalige Friedhof wird der Polizei zufolge in unregelmäßigen Abständen von Streifen kontrolliert. Im vergangenen Jahr wurden in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 44 antisemitische Straftaten erfasst. Für das erste Halbjahr 2002 wurden bereits 33 solcher Taten registriert. Dabei handelt es sich überwiegend um Farbschändungen mit antijüdischem beziehungsweise volksverhetzendem Charakter.
Nordkurier
|