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21.08.2003
Nachbarn sind gegen das Wohnheim - Cleane Drogensüchtige abgelehnt

OZ-Bild
Sie wollen eine Chance, wieder ins normale Leben zurückzufinden: Drogensüchtige, die jetzt clean sind. Der ASB gibt ihnen die Chance und will sie in Thulendorf im einstigen Gutshaus ein Jahr betreuen.

Thulendorf. Sie haben Drogen genommen. Versteckten sich durch Koks und Hasch in einer irrationalen bunten Welt. So lange, bis ihr Leben am seidenen Faden hing. Jetzt sind sie clean, durchlebten zuvor alle Strapazen und Halluzinationen des Entzugs. Sie wollten es so und sie wollen auch dies: einen neuen Anfang. Dabei brauchen sie Hilfe. Die gibt ihnen der Förderverein Gemeindepsychiatrie im Arbeitersamariterbund.

"Die jungen Leute sind 19 bis 25 Jahre alt. Bis zehn von ihnen will der Verein in Thulendorf im einstigen Gutshaus unterbringen. Für ein Jahr. Der Bauausschuss der Gemeinde hat zum Antrag der Gemeinnützigen Gesellschaft für Gemeindepsychiatrie im ASB (GGP) auf Nutzungsänderung des Gebäudes Ja gesagt. Einstimmig", erklärt Thulendorfs Bürgermeisterin Heike Arndt.

Es geht um Wohnbetreuung und Nachsorge. "Jeder Betroffene hat sein Zimmer und seinen Betreuer, eins zu eins", erklärt die GGP. Alle kommen freiwillig, sollen auf Handwerk oder Beruf vorbereitet werden. "Da ist das Haus mit den 10 000 Quadratmeter Land darum ideal. Auch für gärtnerische oder landwirtschaftliche Tätigkeit", denkt die Bürgermeisterin.

Grundstücksnachbarn aber sehen das anders, schickten Einwand und Widerspruch ans Doberaner Landratsamt. "Ich fürchte um die Sicherheit meiner Gäste und ihrer Kinder", sagt Renate Maaßdorf, die in unmittelbarer Nachbarschaft seit letztem Jahr einen Ferienpark führt. "Krebskranke, Kinder, Senioren - das würde alles gehen. Doch nicht das Milieu", sorgt sie sich wie auch andere Nachbarn. Darunter einer, der eigentlich im Bauausschuss der Gemeinde seine Ja-Stimme für die Nutzungsänderung gegeben hat. Zudem bezweifeln die Thulendorfer, dass die Betreuung tatsächlich eins zu eins erfolgen würde. "Bei den Sparkonzepten in den Firmen. Eine Traumvorstellung", denkt Renate Maaßdorf.

Ihr Schreiben hat jetzt die Fachleute im Bauamt des Landkreises Bad Doberan in die Spur gebracht. "Wir sind noch im Prüfungsprozess", erklärt Bauamtsleiter Joachim Seehaus auf OZ-Anfrage. Die Bauvoranfrage sei positiv beschieden worden, jetzt sei zu prüfen, welche Nutzung genau dahinter stecke. Die Verwaltung verlangt jetzt das Nutzungskonzept - "wir sind mitten im Entscheidungsprozess", sagt Seehaus. Dann werde es eine außerordentliche Sitzung der Gemeindevertretung geben, zu der die Nachbarn eingeladen werden und auf der das Konzept vorgestellt werde. "Die Gemeinde sagt, das Wohnheim passe in das Dorf."

INGELINDE SPILLER

Ostseezeitung-Rostock

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