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06.09.2002
Bodyguards und Ketten beenden Heinkel-Schau - Kritik an Geschichtsbewältigung

Kröpeliner-Tor-Vorstadt (OZ) Das vorzeitige Ende der Heinkel-Ausstellung kam gestern schnell und unsanft. Mit Ketten und Sicherheitsbeamten ließ die Stadt die umstrittene Schau über den Rostocker Flugzeugbauer durch Tourismusdirektor Lutz Grüder schließen. Durch die öffentliche Debatte stieg das Interesse an der Ausstellung erst. Auch gestern Morgen kamen zahlreiche Bürger, um sich die Exposition anzusehen.

Nachdem sich in den vergangenen Wochen vornehmlich Kritiker zu Wort gemeldet hatten, die die Darstellung Heinkels als einseitig positiv empfanden, gerät jetzt nach dem Schließungsbeschluss der Bürgerschaft der Umgang der Stadt Rostock mit ihrer Geschichte in die Schusslinie. Obwohl er sich nicht direkt einmischen wolle, kann Heinkels in Stuttgart lebender Sohn Karl-Ernst Heinkel die ganze Aufregung um seinen Vater nicht verstehen. "Ich weiß um die Verdienste meines Vaters und um die Ehren, die ihm im Ausland zu Teil werden", sagte der 64-Jährige Industrielle (die Heinkel AG ist weltweit führend bei der Herstellung von Stülpfilterzentrifugen für die Lebensmittel- und Chemieindustrie) gestern gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. In Museen in den USA würde sein Vater beispielsweise neben den Gebrüdern Wright hängen. Juristisch wolle er sich in Rostock raushalten. "Ich will diesen Post- Kommunisten kein zusätzliches Podium verschaffen", sagte Heinkel.

"Das gesamte Thema Rüstungsindustrie ist nicht aufgearbeitet", sagt Dr. Wolf Karge, Geschäftsführer des Technischen Landesmuseums und Vorsitzender des Museumsverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Er hält die Entscheidung der Bürgerschaft, die Ausstellung vier Tage vor Toresschluss zu schließen, für falsch. "Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Alle Beteiligten müssen an einen Tisch und emotionslos diskutieren." Der Verein Luft- und Raumfahrt strebt indes eine einstweilige Verfügung gegen die Schließung an.

Ostseezeitung-Rostock

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