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07.08.2003
Asylbewerber-Protest in Malchin - Aufstand gegen neuen Zahlungsmodus bei Zuwendungen - Großaufgebot der Polizei
Von unserem Redaktionsmitglied Torsten Bengelsdorf
Demmin/Malchin. Ein riesiges Polizeiaufgebot eilte gestern Vormittag mit Blaulicht und Sirene zum Asylbewerberheim des Landkreises Demmin in die Warener Straße von Malchin. Etwa 50 Bewohner des Heimes hatten sich vor und in dem Gebäude zu einer Protestaktion versammelt. Denn gestern sollten hier die Zuwendungen an die Asylbewerber ausgezahlt werden. Wie schon im vergangenen Monat erhalten sie aber zunächst nur die Hälfte des ihnen zustehenden Geldes. Und dagegen richtete sich der Protest.
"Die Leute haben hier manchmal auch Besuch, einige haben auch Kinder in anderen Teilen Deutschlands, die sie auch einmal besuchen wollen, da ist es einfach zu wenig Geld", erklärte ein Heimbewohner aus dem Irak gegenüber unserer Zeitung.
Im Durchschnitt erhält jeder Asylbewerber 196 Euro im Monat. Die Kreisverwaltung in Demmin bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass für das Heim in der Warener Straße im Juli der Auszahlungsmodus geändert worden sei. "Das hängt damit zusammen, dass die Zuwendungen jetzt als Bargeld ausgezahlt werden. Um jegliches Risiko beim Transport des Geldes zu vermeiden, haben sich der Heimbetreiber und das Sozialamt darauf verständigt, es jeden ersten und dritten Mittwoch jeweils zur Hälfte auszuzahlen", berichtete der Sprecher des Demminer Landratsamtes Jörg Rau. Im Juli sei das auch noch gut gegangen, es habe nur vereinzelnt Kritik gegeben. "Es war ein Versuch, der offenbar nicht geklappt hat", erklärte Rau nun gestern.
Auch räumte er ein, dass der Landkreis mit der zweimaligen Auszahlung eine bessere Aufenthaltskontrolle bei den Asylbewerbern habe ausüben wollen. Sie dürften nämlich das Territorium des Landkreises nicht verlassen. Auch das sei eine Regelung, mit der sie nicht einverstanden seien, hieß es aus den Reihen der in der Warener Straße untergebrachten Asylbewerber.
Landkreis lenkt ein
Nach dem Aufstand entschied sich die Kreisverwaltung gestern, nun doch wieder die Zuwendung jeweils am Anfang des Monats in voller Höhe auszuzahlen. Zuvor hatten die Heimbewohner angekündigt, dass sie notfalls auch in Demmin vor der Kreisverwaltung ihren Protest fortsetzen würden.
Sie kritisierten zudem, dass über den beabsichtigten neuen Zahlungsmodus niemand mit ihnen gesprochen habe. Der Leiter des Heimes lehnte gestern gegenüber unserer Zeitung jede Stellungnahme ab. Das Großaufgebot der Polizei begründete derweil der Leiter des Malchiner Reviers, Jürgen Schumann, damit, dass die Lage zunächst unklar gewesen sei. Zu Handgreiflichkeiten oder gar Gewalttätigkeiten sei es aber nicht gekommen, bestätigte er gegenüber unserer Zeitung. Zeitweise hatten gestern Vormittag zwölf Polizeiautos das Asylbewerberheim umlagert.
Im Nachbar-Landkreis Ostvorpommern indes ist es sogar Praxis, die 196 Euro in wöchentlichen Raten auszuzahlen. Ein Vorgehen, das auch beim Psychosozialen Zentrum für Migranten in Greifswald akzeptiert wird. Allerdings hatte es gegen die Regelung vergangene Woche auch im Landratsamt Anklam heftige Proteste gegeben, die in Handgreiflichkeiten gipfelten. Bilanz: Zwei vorläufig festgenommene Asylbewerber, ein leicht verletzter Polizist und mehrere Anzeigen seitens der Verwaltungsmitarbeiter.
Nordkurier-Demmin
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